14. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Ein menschlicher Gott?

Wie wirkt Gott in dieser Welt? Ein Wirken Gottes durch einen makellosen und unangreifbaren Superstar – oder durch einen Menschen wie dich und mich, wen akzeptieren wir lieber? Wir neigen dazu, von Menschen, die zweifellos Großes geleistet haben, alles Menschliche weg zu überarbeiten. Wir stellen sie auf ein Podest oder gar auf einen Altar und lassen nicht zu, dass etwaige menschliche Schwächen benannt werden.

Als im Jahre 1982 der holländische Redemptorist, Peter Donders selig gesprochen wurde, erzählte uns ein Mitbruder, dass P. Donders Liebe zum Zigarrenrauchen beinahe ein Hindernis auf dem Weg der Kanonisation geworden wäre. In der Kommission fragte man sich: Kann man einen Zigarrenraucher selig sprechen? Schließlich nahm man diese Hürde, indem man erklärte, dass ein Leben bei den Aussätzigen in Surinam – das war das große Verdienst des Peter Donders – anders kaum erträglich war. Alle Gesunden, die mit den Aussätzigen zusammenkamen, hätten geraucht, um den Gestank auszuhalten…

Von Jesus sagen wir: Er war in allem uns gleich außer der Sünde. Das Besondere an Jesus ist gerade, dass er voll und in jeder Hinsicht Mensch war, dass Gott durch einen ohnmächtigen und schwachen Menschen sein Heil wirkt.

Genau an diesem Punkt scheitern die Bewohner von Nazareth: Da sie Jesus und seine Verwandten so gut kannten und wussten, dass er ein Mensch aus Fleisch und Blut war, wie du und ich auch, konnten sie sich nicht vorstellen, dass er ein Prophet oder gar der Messias sei. Sie konnten nicht glauben, dass Gott durch einen Menschen wie ihn spricht und handelt.

Wie wirkt Gott heute?

Das Evangelium des Markus will uns aus Denkmustern herausholen, die uns hindern, das Wirken Gottes in unserer Welt zu erkennen. Es zeigt uns: Gott wirkt auch heute durch Menschen aus Fleisch und Blut. Wir haben es nicht nötig, unsere großen Vorbilder bis zur gefälligen Unkenntlichkeit zu überarbeiten. Gott wirkte durch Peter Donders trotz seiner Liebe zu Zigarren. Er wirkte durch Papst Franziskus und Mutter Teresa. Er wirkt wohl auch durch Benedikt, Christoph und Benno – und hoffentlich auch durch dich und mich.

Wir werden unseren Gottesdienst beenden mit der Sendung „Ite missa est!“ – leider nur schwach übersetzt mit der Aufforderung: „Gehet hin in Frieden!“ Wir werden in jedem Gottesdienst ausgesandt, das Wirken Gottes in unsere Welt hineinzutragen, den Frieden Gottes, das Heil, die Erlösung, in unserem alltäglichen Leben zu bewirken; als Raucher oder als Nichtraucher.

Mit welchen Schwächen auch immer wir behaftet sein mögen, an uns und durch uns werden die Menschen die Liebe Gottes erfahren – oder auch nicht, wo wir die Liebe Gottes verweigern. Das ist unsere Mission. Amen.

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