16. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Loslassen, ausspannen, Urlaub machen

Wir stehen mitten in der Ferien- und Urlaubszeit. Viele Menschen genießen ihren wohlverdienten Ausstieg aus der Tretmühle – Arbeit. Was sie daraus machen, ist sehr unterschiedlich und hängt nicht nur davon ab, wo sie den Urlaub verbringen, sondern auch wie sie ihn gestalten.
Die einen nutzen diese kostbare Zeit, um endlich tun zu können, wofür sonst keine Zeit bleibt; sie reisen, lesen, kochen, besuchen Kulturgüter und Freunde.
Nicht wenige brauchen Urlaub vom Urlaub, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehren. Ich habe auch schon Leute getroffen, die sehnten sich bereits am Ende der ersten Urlaubswoche nach dem gewohnten Berufsalltag.

Aus unserer Kultur des Urlaubens lese ich eine weit verbreitete Sehnsucht heraus: Eine „Sehnsucht nach dem Mehr des Lebens“ Ein unbestimmtes Gefühl sagt uns: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein! Da muss es doch noch mehr geben! Am deutlichsten vernehmen wir es, wenn uns der Arbeitsalltag zum Hals heraushängt, oder auch, wenn der ersehnte Urlaub nicht das gebracht hat, was man sich von ihm erhoffte.

Wenn man Gelegenheit bekommt mitzuerleben, wie Menschen um dieses Mehr ringen, bekommt man vielleicht auch Mitleid mit den Menschen, wie Jesus damals. Vielleicht ist gerade hier der Punkt, wo wir am Hirtendienst Jesu Anteil nehmen können: Dass wir über unser eigenes Ruhe- und Erholungsbedürfnis hinwegschauen; dass wir die Atemlosigkeit der Menschen wahrnehmen; dass wir einander erzählen, wo wir selbst das Mehr des Lebens erahnt oder entdeckt haben; vielleicht auch wo wir vergeblich gesucht haben.

Jesus hat seine Jünger in seine Missionstätigkeit mit eingespannt und sie zu zweien ausgesandt. Er führt sie ganz konkret auch in ihren Hirtendienst ein, indem er sie miterleben lässt, wie er den erschöpften und atemlosen Menschen begegnet. Wenn uns die Heiligen Schriften lehren, den Atem als Sinnbild für den Lebenshauch Gottes zu sehen, dürfen wir in der Atemlosigkeit der Menschen auch ihre Sehnsucht nach diesem Lebenshauch Gottes erkennen.

Bei dieser Gelegenheit sollen aber auch jene nicht vergessen werden, die selbstverständlich und ohne Öffentlichkeit ihren Mitmenschen, Nachbarn, Verwandten oder auch Freunden zu Hirten werden, indem sie sich Zeit nehmen, sich ihre Nöte anzuhören, ihnen ihre eigene Erfahrung mitzuteilen, und ihnen so Kraft und Mut zum Weitergehen geben. Amen.

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