21. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Ein Pastor und ein Rabbiner, die gemeinsam auf einer Konferenz sind, müssen sich dort ein Schlafzimmer teilen. Beim Frühstück am nächsten Morgen sagt der Pastor: „Mein lieber Rabbi, hoffentlich habe ich Sie gestern Abend beim Einschlafen nicht gestört, weil ich das Licht so lange brennen ließ.“ –

„Halb so schlimm, das habe ich kaum bemerkt“, antwortet der Rabbi. Der Pastor erzählt ihm daraufhin: „Ach, wissen Sie, wenn ich am Abend nicht eine halbe Stunde Gottes Wort gelesen habe, kann ich nicht in Ruhe einschlafen.“

„Das ist ja merkwürdig“, entgegnet der Rabbiner, „bei mir ist es genau umgekehrt: Wenn ich am Abend eine halbe Stunde Gottes Wort lese, kann ich nicht mehr ruhig schlafen!“

Zwei Sichtweisen auf das Wort Gottes: vertraut, beruhigend und fast ein wenig einschläfernd wirkt es auf den Pastor; aufrüttelnd, mahnend erscheint es dem Rabbiner. Beide Sichtweisen haben, so meine ich, ihre Berechtigung.

Wir kennen das Abendgebet mit Kindern, das ihnen sagt, dass sie behütet sind im Dunkel dieser Nacht. Wir kennen den Psalm 91, den Gute-Nacht-Psalm der Kirche, wo Gott als Zuflucht, als Schutz vor allen Schrecken gepriesen wird.

Aber wir haben gerade gehört, wie aufrüttelnd und verstörend Gottes Botschaft sein kann und wie viele vor Jesu Worten schlicht davonliefen. Seine Worte erscheinen uns manchmal schwierig oder schlicht überfordernd, unser Leben zu sehr beanspruchend, ja, manchmal richtiggehend ärgerlich. Da will man öfters lieber weghören.

Petrus aber ist uns ein Vorbild, wenn er Jesus hier sein Vertrauen ausspricht. Wir kennen Petrus gut genug, um zu wissen, dass er längst nicht alles von dem, was Jesus spricht, versteht oder in den richtigen Hals bekommt. Aber er kennt Jesus und er weiß, dass der die Wahrheit spricht und dass es Gottes Wille ist, der aus seinen Worten heraus spricht.

Für Petrus gibt es also keine Alternative: „Zu wem sonst sollten wir denn gehen?“ Vielleicht hat sich Petrus auch einfach an seine Pflicht als Jude erinnert, wie es in der heutigen Lesung steht. Die Worte Gottes sollen immer wieder in Erinnerung gerufen werden, sie sollen ein stetiges Zeichen sein, das man vor Augen hat. Entscheidend aber ist: Das Wort Gottes soll ins Herz eines jeden geschrieben sein, damit es stets wiederholt, bewegt und bedacht werden kann.

Nur so wird es unser Leben begleiten und es bereichern; nur so werden wir es mit der Zeit verinnerlichen und seinen Sinn für unser Leben erschließen.

Das Wort Gottes kann uns dann beruhigen oder aufrütteln – es wird uns sicher zur rechten Zeit treffen und zu einem vertieften Leben verhelfen. Amen.

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