Predigt „Jesu Gesinnung zu Eigen“ am 3. Sonntag i. Jk. – B

Als Seelsorger tue ich mir schwer mit dem „Menschen fischen“, mit dem „das Netz auswerfen“. Und wie geht es Euch, wenn ihr missionarisch wirken sollt, um Menschen für Gott zu gewinnen? Menschen fischen, da klingt mit: Leute an Land ziehen, Leute angeln. Mit Netze auswerfen verbindet sich die Vorstellung: ins Netz gehen. Nein, Menschen dürfen nicht zu Fangobjekten werden.

Jesus sagt: Kommt und folgt mir nach! Man kann dies auch so verstehen: Folgt meinen Spuren und macht euch meine Gesinnung zu Eigen. Wenn wir auf Jesus schauen, wie er den Menschen begegnet ist, dann fällt uns auf, dass er keine Gewalt angewandt hat. Er hat die Menschen nicht vereinnahmen wollen. Er hat sie an sich gezogen durch seine Güte, seine Sanftmut, seine Bereitschaft, jeden Menschen anzunehmen und ihn nicht zu überfordern.

Menschen für Gott fangen hieße dann: gewinnend wirken durch Freundlichkeit, Herzensgüte, Aufmerksamkeit. Dem andern das Gefühl vermitteln: Du bist gewollt, du bist wertvoll in den Augen Gottes. Oft sind es nur kleine Zeichen. Ein freundlicher Blick, eine helfende Hand, ein gutes Wort. Jesus überfordert uns nicht. Wir brauchen keine Superchristen zu sein.

Kardinal Suhard, der in den vierziger Jahren Erzbischof von Paris war, hat auf die Frage, wie Christen missionarisch wirken könnten, die Antwort gegeben: Sie sollten so leben, das andere sich fragen:
Warum verhalten die sich so?
Warum kümmern sie sich um Notleidende?
Warum setzen sie sich in ihrem gesellschaftlichen Umfeld für andere ein?

Tun wir, was in unseren Kräften liegt.

Roger Schutz, der Prior von Taizé, hat gesagt: „Lebe das vom Evangelium, was du verstanden hast, und sei es noch so wenig. Aber lebe es.“

Ja, wir sollten uns bemühen, andern Gott nahe zu bringen. Doch nicht in der Meinung, als läge es allein in unseren Händen. Manchmal können wir wahrnehmen, das Gott schon in den Menschen am Werk ist, ehe wir ihnen begegnen. Wir dürfen nur den Menschen zu Christus führen, damit sie in der Begegnung mit ihm etwas von der grenzenlosen Güte Gottes erfahren können. Doch das müsste in dem Bewusstsein geschehen, dass Gott es ist, der die Menschen führt, auf seinen Wegen. Von dem langen Atem Gottes können wir etwas lernen.

Dies gilt auch für die Kirche insgesamt in ihrem missionarischen Auftrag. Der hl. Augustinus hat einmal gesagt, es käme nicht darauf an, dass wir die Menschen haben, sondern das Gott sie hat. Dem Gott, wie er sich den Menschen in Jesus erschlossen hat, kann ich ruhig ins Netz gehen. In das Netz seiner Liebe. Und für diesen Gott kann ich dann auch das Netz auswerfen, um andere für Gott zu gewinnen.

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