Predigt „Heilung eines Besessenen“ am 4. Sonntag i. Jk. – B

Wir haben eben eine Erzählung über die Heilung eines Besessenen gehört, oder um es mit einem Fremdwort zu sagen – über einen “Exorzismus“. Allein wenn wir dieses Wert hören, spüren wir, dass wir bei diesem Thema vorbelastet sind. Teufelsaustreibung fällt einem da ein, finsteres Mittelalter, seltsame Rituale, unheimliche Praktiken, Sekten und manch anderes mehr. Auch für die Kirche ist dies ein heikles Thema.

Was ist denn eigentlich unter Besessenheit zu verstehen? In diesem Begriff steckt das Wort “Besitz“. Ein Besessener ist jemand, der nicht Herr über sich selbst ist, sondern im Besitz eines anderen.

Wir kennen Menschen, die von ihrem Auto besessen sind, von ihrem Hobby, von ihren Minderwertigkeitsgefühlen und ihrem Neid, von ihrer Herrschsucht oder Angst. Besessenheit ist weitverbreitet.

Es gibt mir zu denken, dass ein Umfrageergebnis sagt: Nahezu 90 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger lasse das Zerbrechen anderer kalt. Es gelte als normal, dass in unserer Leistungsgesellschaft manche eben nicht mitkommen und liegen bleiben. Wo gehobelt werde, fielen eben auch Späne. Ist dies nicht auch ein Anzeichen von Besessenheit? Wenn wir so unbarmherzig, so unsolidarisch denken und handeln können, was für ein Geist ist da in uns gefahren?

Das Evangelium erzählt, dass Jesus so einen Besessenen sogar in der Synagoge angetroffen habe. Das ist nicht verwunderlich. Es gibt solche auch in der Kirche. Besessene fallen oft gar nicht sonderlich auf, eben weil sie so normal sind.

Der Evangelist erzählt, dass der Besessene erst auffällig wird, als Jesus auftritt und zu lehren beginnt. Da wird
eine tiefe Kluft offenbar: Der Geist Jesu und die unreinen Geister.

So war es auch in der Synagoge. Jesus wurde von den unreinen Geistern angeschrien und beschuldigt, sie zugrunde zu richten. Sie spürten genau: Der Geist, der aus Jesus spricht, ist Heiliger Geist, und der verträgt sich nicht mit ihnen.

Der griechische Philosoph Plato schrieb schon 4OO Jahre vor Christus, dass die Menschen den vollkommenen Gerechten nicht ertragen und darum verfolgen würden, und dass er zuletzt nach allen Misshandlungen gekreuzigt werden wird. Das hat sich an Jesus von Nazareth grausam bewahrheitet.

Und immer zeigt sich bei diesen Auseinandersetzungen zwischen heiligem und unreinem Geist: Die entscheidende Macht gehört dem guten Geist. Aber die unreinen Geister sind immer noch am Werk. Wie ergeht es uns denn? Wenn wir die Botschaft Jesu hören, regt sich da nicht auch gelegentlich ein innerer Angstschrei, dass da jemand unser Leben beschneiden möchte? Liegt da nicht sofort die Erklärung parat, dass das alles nicht so ernst zu nehmen sei und im Alltag anders aussehe? So reden jene, die von einem anderen Geist besessen sind.

Und die Evangelien zeigen, dass Jesus bereit ist, alles für das Heil der Menschen zu geben; für die Befreiung aus den Zwängen. Der Geist Gottes, der auf Jesus bei der Taufe herabkommt (Mk 1,10), erkennt die Dämonen – und sie bezeugen, wer Jesus ist: Du bist der Heilige Gottes. Jesus, der Heilige Gottes – er ist der, der Heil bringt; der die Geister unterscheidet; der die Menschen herausfordert, das Leben zu ändern.

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