Predigt an Pfingsten 2018

Liebe Schwestern und Brüder,
die Geistsendung aus dem Evangelium klingt ein bisschen anders als der Pfingstbericht aus der Apostelgeschichte: Da ist nichts von Sturm und Brausen, nichts von Stimmengewirr – sondern da ist ganz viel Stille, ganz viel Angst – aber auch ganz viel Liebe – und alles hinter verschlossenen Türen.

Da kommt Jesus und tritt in die Mitte der Apostel, die sich vor lauter Angst fest eingeschlossen haben. Und das allererste Wort, das er an sie richtet, das allererste Wort, das er für sie hat – das ist ein Wort des Friedens: Friede sei mit euch!

Typisch Jesus: Kein Vorwurf wegen ihrer Feigheit, keine Kritik an ihrem Unglauben, kein Ärger über ihre Ängstlichkeit, sondern das Angebot eines neuen Friedens, einer neuen Freundschaft. Friede sei mit Euch. Zweimal sagt er das – damit sie es auch nicht überhören.

Und ein Geschenk hat er für sie: den hl. Geist.

„Empfanget den heiligen Geist.“ Diesen Geist der Lebendigkeit, der alles neu machen und gut machen kann – der Krummes gerade, Zerbrochenes heil und Totes lebendig machen kann – Gottes Kraft, die eine ganze Welt verändern kann.

„Empfangt“, so sagt Jesus – und dann schenkt er ihnen diesen Geist so, dass sie ihn auch wirklich annehmen und empfangen können: nicht mit Gewalt, nicht mit Druck – sondern ganz vorsichtig: Er haucht sie an… nur ein Hauch.

Liebe Schwestern und Brüder, was ist zärtlicher als ein Hauch?! Was wäre liebevoller und vorsichtiger? Aber so kommt Gott; so will Gott in unser Leben hineinkommen: Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck; nicht mit hohen Ansprüchen, sondern mit Zusprüchen, mit Zärtlichkeit und eben ganz viel Liebe — so, dass wir ihn auch wirklich annehmen und aufnehmen können.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieses ganz Andere, dieses ganz Neue, das ist das Kennzeichen von Pfingsten. Gott schafft neu. Papst Franziskus nennt das die „Neuheit Gottes“, die da auf uns und unsere Welt trifft. Wenn Gott etwas verwandelt, dann wird es wirklich ganz anders. Dann poliert Gott nicht was Altes ein bisschen auf, damit es vielleicht ein bisschen schöner wird als es vorher war, sondern dann wird es ganz neu.

Wenn wir das ernst nehmen, liebe Gottesdienstgemeinde, dann muss man wohl sagen: Gottes Geist ist also alles andere als „harmlos“. Wo er hinkommt, da bleibt nichts so wie es vorher war. – Und deshalb gebraucht die Apostelgeschichte dann auch wohl auch diese ganz anderen Bilder; nämlich die von Feuer und von Sturm – weil halt nach einem Feuer und nach einem Sturm nichts mehr ist, wie es vorher war.

Denn das Neue, das von Gott kommt, ist immer gut – und es ist immer voller Heil. Das Einzige, was uns vielleicht in Unruhe versetzen müsste – und sicher auch sollte, ist die Tatsache, dass diese Neuheit Gottes nicht ohne uns in die Welt kommt, sondern immer nur durch uns. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch“, so sagt Jesus – damals zu den Aposteln – und heute ist es uns gesagt.

Amen

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