1. Adventsonntag 2018 – Beginn Lesejahr C

Liebe Gemeinde!

Hoffen, warten, voller Erwartung sein und wachsam sein. Das ist es, was wir uns in den Tagen des Advents vornehmen sollten.

Doch worauf warten? Die Zeit vergeht so schnell. Man hat seine Arbeit, seine kleinen und großen Sorgen, aber auch seine kleinen und großen Freuden. Der tägliche Feierabend wird erwartet, viele freuen sich auf ein bevorstehendes Wochenende und auf den kommenden Urlaub. Ja, man wartet auf bessere Zeiten, auf Besserung der politischen Lage. Und wenn dann eingetreten ist, was wir erhoffen, dann warten wir auf etwas neues. Doch jetzt, in diesen Wochen des Advents warten wir alle auf Weihnachten: die Kinder mit viel Ungeduld und die Erwachsenen mit Plänen, was alles noch getan werden muss, damit es wieder ein schönes Fest wird. Aber ist es ein schönes Fest und hängt so ein Fest eigentlich von der Größenordnung der Geschenke ab? Oder ist es nur die Freude der Kinder?

Vielleicht sind die besonderen Erwartungen vor Weihnachten auch eine Ahnung, dass unser Leben mehr sein muss als der Kreislauf von Arbeiten, Verdienen, Erleben und wieder Arbeiten. Sicher könnte es auch eine Ahnung sein, dass das Leben mehr sein muss als das, was wir uns leisten können. Denn das alles kann ja sehr schnell zerrinnen. Schließlich muss es uns nicht immer nur gutgehen und wie schnell können wir durch eine Krankheit dahingerafft werden. Ja, auch das will uns der heutige Evangelientext zu Beginn dieser Adventzeit sagen, dass unser Leben mit Sicherheit einmal ein Ende hat.

Schon deshalb sollte unser Blick in die Zukunft gerichtet sein, die Gott uns eröffnet hat. Denn unser Ziel sollte Jesus Christus sein. Er wird wiederkommen, um zu vollenden, was er begonnen und was durch Jahrtausende hindurch gewachsen ist. Auf ihn sollen wir warten und für ihn sollen wir wachsam sein. Denn „Advent“ heißt „Ankunft“.

Sicher ist das Warten nicht immer leicht. Auch in der damaligen Zeit wurden viele des Wartens müde und begannen sich so einzurichten in dieser Welt, dass sie darüber ihr Ziel auf Gott zu warten vergaßen. Sie warteten mehr auf vordergründige, auf materielle Dinge als auf die ewigen Güter, die Jesus versprochen hat. Ja, so war es damals, so ist es auch heute noch. Denn wieder sind wir Christen in Gefahr, uns auf eine unchristliche Weise in dieser Zeit und Welt einzurichten, sich sehr stark in einer Welt zu arrangieren, die von Gott nichts wissen will. Und so setzten sich dann auch viele der Gefahr aus, die Ziele und Werte des Lebens falsch zu setzen: Besitz und Ansehen, Erfolg und Gesundheit sind oft wichtiger zu nehmen als die Einladungen Gottes, wachsam zu sein und auf ihn zu warten.

Deshalb bleibt die Mahnung des Herrn an uns auch heute noch aktuell. Denn auch die jetzige Zeit, wo ein großer Glaubensabfall immer deutlicher wird, wo viele sich abwenden von Gott, gerade in diese Zeit hinein spricht er zu uns und lässt uns sagen: „Haltet euch bereit“. Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Das heutige Evangelium ist trotz der vorweihnachtlichen Stimmung sicher ein ernster Text und er stellt uns vor die Frage, welchen Platz der Glaube an Jesus Christus in unserem Leben heute einnimmt. Er fordert uns dazu auf, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Und gerade diese Unterscheidung ist doch der Punkt, auf den es in unserem Leben schlichthin ankommt. Und wenn wir hier richtig werten, dann werden wir feststellen, dass der heutige Text bei uns nicht Angst verbreiten will, sondern Freude, denn der Ernst der Erwartung geht doch zusammen mit der Freude der Erwartung. Er geht zusammen mit der Freude an allem, was dieses jetzige Leben an Schönem und Gutem bietet. Deshalb sollen wir mithelfen, diese Welt so menschlich wie möglich für alle zu machen. Wenn wir das verstehen, dann können und dürfen wir in Freude die Ankunft des Herrn erwarten.

AMEN.

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