4. Adventsonntag 2018 C

Mancher mag jetzt vielleicht denken: Bald ist schon Heiliger Abend. Und in der Kirche hören wir heute von der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, die doch am Anfang ihrer Schwangerschaft steht. Müsste Maria nicht längst auf dem Weg nach Bethlehem sein?

Das Evangelium will allerdings keine historische Beschreibung darüber liefern, wie die Tage vor der Geburt Jesu abliefen. Vielmehr zeigt das Evangelium: Da steht etwas Großes bevor! Dazu ist die Begegnung von Maria und Elisabeth ein wahres Schlüsselerlebnis.

Maria besucht Elisabeth und teilt mit ihr ihre Freude. Es ist nicht leicht einen Menschen zu finden, mit dem man die tiefsten Gefühle oder gar Glaubenserfahrungen teilen kann.

„Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken? Wem künd‘ ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz?“ lauten die Anfangszeilen der Schubertmesse. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass manchen Menschen schon am eigenen Leib, besser an der eigenen Seele, Gefühle erlebt haben, die sie mit niemand aus ihrer Umgebung teilen konnten; seien es schmerzliche oder auch freudige.

Das Evangelium stellt uns heute zwei Frauen vor, die überglücklich sind, jemand zu begegnen, die ihre Freude und vielleicht auch ihre ganze Unsicherheit und Angst mitvollziehen konnte. Beide sind unter sehr ungewöhnlichen Umständen schwanger geworden, und es war vermutlich nicht leicht, Verständnis dafür zu finden.

In der Freude ihrer Begegnung schwingt jedoch noch eine andere Ebene mit: Beide Frauen sind davon überzeugt und bringen es zum Ausdruck, dass Gott in außergewöhnlicher Weise an ihnen gehandelt hat. Sie wissen sich von ihm in besonderer Weise gesegnet.

Diskutieren kann man heute ohne Tabu über fast alles. Ganz persönliche Glaubenserfahrungen möchte ich aber keiner Diskussion preisgeben. Dafür wünsche ich mir Gesprächspartner, die mich anhören, verstehen und bereit sind, den kostbaren Schatz meiner Erfahrung mit mir zu hüten.

In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten. Dieses Fest spricht trotz allem viele Menschen an. Vermutlich, weil es eine tiefe Sehnsucht nach Begegnung in Aussicht stellt, nach Geborgenheit, die alles, was Menschen einander bieten können, übersteigt.

Das Weihnachtsfest kann diese Sehnsucht erfüllen, wenn wir zu seinem ursprünglichen Sinn zurückkehren, wenn wir zwischenmenschliche Nähe auch zulassen, wenn wir Begegnungen suchen und einander geben; Begegnungen, in der jede und jeder sein und bleiben darf, was er oder sie sind. Dies können wir von den beiden Frauen des Evangeliums lernen: die Freude teilen, miteinander Gott danken und preisen für alles, was er uns geschenkt hat.

Und vielleicht erhalten wir auf diesem Wege das größtmögliche Weihnachtsgeschenk, das man auf keinem Weihnachtsmarkt erstehen kann: Dankbarkeit und Freude darüber, dass Gott mitten unter uns da ist, und wir uns von ihm gesegnet wissen dürfen.

Welche Erwartungen haben Sie an das kommende Weihnachtsfest, liebe Schwestern und Brüder? Der Advent, die Zeit des Wartens und Erwartens ist nun fast vorüber. Was erwarten Sie nun für die kommenden Tage?

Die Verbindung von Erwartung und Weihnachten ist heutzutage keineswegs eine einfache. Wie oft werden kurz vor dem Weihnachtsfest die Statistiken präsentiert, die zeigen, dass Weihnachten und Erwartungen eine ziemlich unrühmliche Verbindung eingehen. Insofern nämlich, dass viele Streitereien und innerfamiliäre Krisen in der Weihnachtszeit durch nicht erfüllte oder überhöhte Erwartungen an die nächsten Mitmenschen ausgelöst werden. Und wahrscheinlich geht es uns selbst genauso, irgendwie hat sich dieses Fest zu einem Fest der Erwartungen entwickelt – aber nicht primär der Erwartung Jesu, sondern vielmehr der Erwartung von liebgewonnen Traditionen, der Erwartung familiärer Geborgenheit, der Erwartung glücklicher Momente. Und sicher ist es wunderbar, wenn wir all das an einem Weihnachtsfest erleben dürfen, jedoch die eigentliche Erwartung gebührt einem anderen: Jesus, dem Christus.

In der Lesung aus dem Buch Micha haben wir von der Erwartung der Menschen im Alten Testament gehört. Viele Generationen haben auf das Kommen des Messias gewartet – und auch immer damit gerechnet.

Die Erwartung war sicher immer wieder im Leben der Einzelnen spürbar – auch in den ersten christlichen Generationen. Elisabeth und der ungeborene Johannes, die uns heute im Evangelium begegnet sind, sind Beispiele für dieses ganz persönliche Erwarten des Heilbringers.

Aber wenn wir uns heute ganz ehrlich fragen: Erwarten wir in unserem Leben eigentlich wirklich noch das Kommen Jesu? Erwarten wir, dass er in unserem Leben und in unserer Welt noch seine Finger im Spiel hat? Lassen wir in unserem Planen, unserem Tun, unseren Überlegungen rund um unser Leben und unseren Alltag noch Platz für das Erfahren, Ahnen und Spüren von Gottes Gegenwart?

Der Advent als Zeit des Wartens auf das Kommen Jesu ist für uns Christen ja eigentlich nichts, das sich auf regelmäßige vier Wochen im Jahr einschränken ließe. Wir glauben, hoffen und vertrauen darauf, dass Christus wiederkommen wird in unsere Welt, dass er letztlich alles zum Guten wenden wird. Das Spannende dabei ist die Frage, ob wir uns auf diese dauerhafte Erwartung wirklich auch einlassen können – gerade auch im Hinblick darauf, dass das Kommen oder auch das Wirken Jesu in dieser Welt gar nicht dem entspricht, was wir uns vielleicht vorstellen.

Ein Blick in die Heilsgeschichte zeigt ganz deutlich, dass es eben oft nicht so gekommen ist, wie es die Menschen erwartet haben: Der Messias ist gekommen – aber nicht als mächtig auftretender König, sondern als wehrloses Kind in einer Krippe.

Er hat das Böse besiegt – aber nicht mit streitenden Heerscharen, sondern indem er für uns gestorben ist.

In der Erwartung zu leben, dass Jesus der Messias ist, der wiederkommen wird, bedeutet somit auch, offen zu bleiben für Wege und Gegebenheiten, die nicht unseren ursprünglichen Plänen entsprechen, aber es bedeutet auch in dem Vertrauen darauf zu leben, dass Gott der „Ich-bin-da“ ist. Und das bedeutet, darauf zu vertrauen, dass wir bei allem, was geschieht, nie alleine sein werden, sondern wir begleitet und getragen sind. Maria kann uns ein Beispiel dafür sein, wie ein Mensch in dieser Erwartung lebt. Sie, so beschreibt es uns der Evangelist Lukas, hat die Erwartungshaltung ihres Volkes auf das Kommen des Messias radikal ernst genommen, sie hat damit gerechnet und zugelassen, dass Gott in ihr Leben und das Leben der Welt eingreift. Sie hat damit zugelassen, dass durch sie Gott in der Welt wirken konnte.

Und das ist wohl eine weitere Dimension des Erwartens: Bereit zu sein, selbst mitzuwirken an Gottes Werk in unserer Welt und Zeit:

Gott ist in dem Geschehen an Weihnachten als Mensch zu uns gekommen. Mit dem kleinen Kind in der Krippe ist das Reich Gottes hier auf Erden schon angebrochen. Darauf dürfen wir als Christen vertrauen und in der Erwartung leben, dass dieses angebrochene Gottesreich einst vollendet werden wird. Uns ist als Getaufte und Gefirmte aufgetragen, unseren Teil dazu beizutragen, mitzubauen an diesem Reich:

in unseren Familien, in unserer Nachbarschaft, an dem Platz, an den wir gestellt sind.

Was ist nun also Ihre Erwartung für das kommende Weihnachtsfest? Lassen wir uns ein, auf sein Kommen und sein Wirken in unserer Welt. Wir sind dabei nicht alleine, Jesus geht mit uns und wahrscheinlich erwartet auch er etwas von uns: dass wir auf ihn zählen, jeden Tag aufs Neue. Amen.

4. Adventsonntag 2018 C

Mancher mag jetzt vielleicht denken: Bald ist schon Heiliger Abend. Und in der Kirche hören wir heute von der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, die doch am Anfang ihrer Schwangerschaft steht. Müsste Maria nicht längst auf dem Weg nach Bethlehem sein?

Das Evangelium will allerdings keine historische Beschreibung darüber liefern, wie die Tage vor der Geburt Jesu abliefen. Vielmehr zeigt das Evangelium: Da steht etwas Großes bevor! Dazu ist die Begegnung von Maria und Elisabeth ein wahres Schlüsselerlebnis.

In dieser Begegnung der beiden schwangeren Frauen, die so voll Leben ist, erkennt Elisabeth, wer da zu ihr kommt: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.“

So wird Elisabeth zur Prophetin: Die Verheißungen aus dem Alten Bund, sie werden Wirklichkeit in dem Kind, das in Dir, Maria, heranwächst.

Was Elisabeth sagt, kommt nicht allein aus ihr: Wie ihre Cousine Maria ist sie vom Hl. Geist erfüllt. Gott ist in diesen beiden Frauen am Wirken! Und so ist ihre Begegnung voll von Glauben, Hoffnung und Freude.

Diese Frohbotschaft will auch uns ergreifen und unsere Vorfreude auf Weihnachten stärken. Auch in uns will Gott wirken: in seinem Wort dürfen auch wir ihm begegnen.

Wie das geschehen kann, davon spricht auch ein Adventplakat: Da sind zwei Frauen und ein Mann, versammelt in einer einfachen Kapelle auf dem Land, vielleicht in den Anden in Bolivien.

Die Kapelle ist aus einfachen Lehmbausteinen erbaut, eine alte Holzbank, aus Brettern zusammengenagelt.

Im Hintergrund ein schlichter Tisch als Altar, bedeckt mit einer Decke, wie sie die Indios selber weben mit ihren typischen Farben.

Auf einem windschiefen Kerzenleuchter brennen zwei Kerzen.

Die 3. fehlt einfach. Die Bibel liegt neben dem Leuchter. Wer in die Gesichter der drei Personen schaut, erkennt, wie in dieser schlichten, ärmlichen Umgebung aus ihnen eine tiefe Freude ausstrahlt. Sie haben vor sich Hefte liegen: eine einfache Form eines Gebet- oder Gesangbuches.

Sie sind hier versammelt als kleine Gemeinde, auch Basisgemeinde genannt, die miteinander Gottes Wort hört, liest und darüber spricht, was es für ihr Leben bedeutet.

Aus der Begegnung mit Gott in seinem Wort schöpfen sie Hoffnung und Freude. Und diese Freude ist wie eine Einladung an uns: Wir können es ihnen gleich tun.


Wir können uns öffnen für Gott und seine Frohe Botschaft, um daraus Kraft zu schöpfen für unser Leben, wie es uns auch begegnet, mit all seinen schönen Seiten, aber auch mit all seinen Herausforderungen und Belastungen.

Die Begegnung von Maria und Elisabeth, und das Bild auf dem Plakat weisen uns darauf hin: Gott sucht die Kleinen und wirkt im Kleinen, in den beiden bislang ganz unbedeutenden Frauen in Galiläa wie in den Indios im Hochland von Bolivien. Und Gott sucht auch uns, damit auch bei uns und in uns Weihnachten werde! Amen.

Rainer Zöller, Pastoralreferent

4. Adventsonntag 2018 C

Liebe Pfarrgemeinde!

Das heutige Evangelium zeigt uns eine Begegnung.

Es begegnen sich zwei schwangere Frauen: Auf der einen Seite Elisabeth. Sie war schon eine alte Frau.

Und auf der anderen Seite, Maria. Sie war ein junges Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren.

Beide Schwangerschaften erscheinen uns sehr ungewöhnlich.

Beide Schwangerschaften haben etwas zu tun mit einem außergewöhnlichen Glaubensschritt.

Elisabeth war eine Priesterfrau, und sie war unfruchtbar.

Und das war damals eine Schande in Israel. Wenn eine Frau kein Kind bekommen konnte, dann galt sie als von Gott verflucht.

Man kann sich schon vorstellen, dass das kinderlose Ehepaar Zacharias und Elisabeth oft zu Gott geschrien haben:

„Warum tust du uns das an? Wir sind doch gerecht und gottesfürchtig! Warum tust du uns das an?“

Obwohl Elisabeth auf Grund ihres Alters normalerweise kein Kind mehr bekommen konnte, brachte der Engel Zacharias folgende Nachricht:

„Deine Gebete sind erhört worden, Elisabeth wird ein Kind bekommen.“

Und das sollten Elisabeth und Zacharias glauben?

Auch die Schwangerschaft Marias ist mit einem Glaubensschritt verbunden.

Maria fragt den Engel Gabriel: Wie soll das geschehen? Ich lebe ja mit keinem Mann zusammen.

Der Engel antwortet ihr dann: „Der Heilige Geist wird über dich kommen.“

Darauf sagt Maria ein ganz großes Glaubenswort: „Du hast es gesagt; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Und diese beiden Frauen, die einen Glaubensschritt getan haben, begegnen sich. Dabei zeigt sich das Große: Gott schenkt einem Menschen, der einen Glaubensschritt tut, eine klare sinnenfällige Bestätigung.

Da Maria das nicht verstand, sagte der Engel zu ihr: „Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.“

Maria ging in das Haus des Zacharias und begegnete dort Elisabeth. So bestätigt Gott den Glauben Marias.

Aber auch Elisabeth bekommt eine Bestätigung für ihren Glaubensschritt.

Sie bekommt jetzt auf einmal Klarheit darüber, warum sie und Zacharias so lange auf ein Kind warten und darum beten mussten.

Gott hatte das wohl zugelassen, damit ihre Nichte Maria eine Bestätigung bekommen konnte, damit ihr der Engel an ihrem Beispiel klar machen konnte: Schau, das kann Gott. Gott kann auch außergewöhnliches. Gott ist allmächtig.

Und Maria bekommt noch eine Ermutigung für ihren Glauben.

Am Ende sagt Elisabeth zu Maria: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“

Elisabeth hätte ja auch ganz anders reagieren können.

Sie hätte ja auch sagen können: „Maria pass auf, jetzt kommen schwere Zeiten auf dich zu. Das wird dir kein Mensch glauben, dass du schwanger bist, ohne mit einem Mann gelebt zu haben.“

Elisabeth wusste aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn man mit so einer Schmach herumlaufen muss.

Aber nichts dergleichen sagt Elisabeth, im Gegenteil. Sie macht Maria Mut. „Gesegnet bist du“, du bist glücklich zu schätzen, weil du diesen Glaubensschritt getan hast.

Für uns gilt es zu verstehen, dass es unser Dienst und unsere Aufgabe ist, uns gegenseitig uns im Glauben zu ermutigen und zu bestärken. Wenn wir das tun, haben wir den Sinn und die Zielrichtung des heutigen Evangeliums verstanden.

Es geht nämlich um Ermutigung und Bestätigung, von Gott her, aber auch untereinander.

Und wenn man das im Tiefsten versteht, was da passiert ist zwischen Elisabeth und Maria, in dieser Begegnung, dann kann man verstehen, dass es abschließend nur noch in einen Lobpreis, und einen Jubel mündet.

Auf der einen Seite bei Elisabeth: „Selig, die du geglaubt hast.“

Und auf der anderen Seite bei Maria, die im Magnifikat sagt: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.“ Amen.

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