Fest der Hl. Familie 2018 C

Am Sonntag nach Weihnachten feiert die Kirche das Fest der Heiligen Familie. Bedeutet das „heile Familie“?

Eine Familie weit entfernt von unseren Sorgen und Nöten? Ganz und gar nicht! Maria, Josef und Jesus sind von den Härten des Lebens keineswegs verschont geblieben. Im Gegenteil! Sie haben Not und Leid voll zu spüren bekommen.

Da ist zunächst die Schwangerschaft Mariens, welche die beiden Verlobten in eine große Beziehungskrise stürzt. Josef ist nicht der Vater des Kindes und soll trotzdem die Vaterrolle und damit Verantwortung übernehmen. Dann folgt die Herberg Suche, verschlossene Türen, verschlossene Herzen. Schließlich die Geburt in einem armen Stall. Dann die Flucht vor Herodes. Nachts auf die Straße, über die Grenze, in ein fremdes Land.

Heute hören wir im Evangelium, wie Jesus bei der Wallfahrt nach Jerusalem verloren geht. Der Zwölfjährige geht eigene Wege. Er macht sich selbständig. Seine Eltern suchen ihn verzweifelt drei Tage lang.

Von wegen „Heilige Familie“ = „heile Welt“!

Die Sache eskaliert: „Kind, wie konntest du uns das antun?“ fragt ihn seine Mutter vorwurfsvoll – und verweist auf ihre und des Vaters Angst und Schmerz.

Wer könnte Maria und Josef nicht verstehen?

Welche Eltern haben nicht auch schon mal so gefragt?

Welche Eltern haben nicht – genauso wie Maria und Josef – schmerzhaft und mühevoll lernen müssen loszulassen, ihr Kind oder ihre Kinder in ihr eigenes Leben zu entlassen? „Wusstet ihr nicht, dass ich dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ fragt Jesus.

Eigentlich eine freche Antwort. Und keine Entschuldigung.

Der Zwölfjährige wird erwachsen und Jesus spürt, dass er ein Geheimnis in sich trägt, das von Gott kommt und mit Gott zu tun hat. Er wird sich bewusst, dass Gott sein eigentlicher Vater ist. Für Maria und Josef ist der ganze Vorfall allerdings eine harte Probe. Sie reagieren betroffen und entsetzt. Und es heißt ausdrücklich, dass sie Jesus nicht verstehen.

Maria und Josef müssen manche schmerzhafte Erfahrung durchleiden. Das Leben war – wie in vielen unserer Familien auch – nicht ohne Spannungen und Konflikte. Aber ich denke, gerade deswegen kann die Heilige Familie Vorbild sein für jede Familie auch heute.

Was auffällt und bemerkenswert ist: Jesu Leben steht unter einem „Muss“. „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Für Jesus steht Gott und der Wille Gottes an erster Stelle. Alles andere, auch die Familie, ist nachrangig.

Das göttliche „Muss“ gilt nicht allein für Jesus, den Sohn Gottes. Wir alle sind Töchter und Söhne Gottes. Auch unser Ursprung ist in Gott. – Gewiss, wir können diesen Ursprung vergessen, wir können ihn vernachlässigen oder leugnen. Aber dann berauben wir uns unserer eigenen Quelle.

Vieles braucht Zeit. Manches muss sich erst setzen. Manches muss erst „verdaut“ werden. Aber Maria hat sich von dem, was sie gehört hat zum Nachdenken anregen lassen.

Gerade darin kann Maria uns Vorbild sein: auch die leidvollen und schmerzhaften Geschehnisse nicht zu zudecken oder zu verdrängen, sondern in der Stille, im Gebet, all das, was uns beweget, die uns auch manchmal zu schaffen machen, vor Gott hinzutragen. Alles letztlich seiner Allmacht, seiner Führung und seiner Gnade zu überlassen, gemäß dem Wort Mariens: „Mir geschehe nach deinem Wort.“

Amen.

Schreiben Sie einen Kommentar