23. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Scheinbar verstand Jesus nicht viel vom Marketing: Was für eine vertane Möglichkeit, ein unglaubliches Wunder wirkungsvoll in Szene zu setzen! Was für Bilder und Schlagzeilen wären das gewesen!

In der heutigen Zeit hätte sich daraus viel machen lassen: Ein Live-Stream, damit Millionen an dem Geschehen teilhaben können, eine Reality-Show, bei der das Publikum entscheiden kann, ob der Mann es wert ist geheilt zu werden oder nicht, und, und, und. Eine vertane Chance, um vielen Menschen von Jesus zu erzählen, seine Größe zu zeigen und sie als Gläubige zu gewinnen.

Und natürlich macht es heute auch Sinn, die neuen Medien zu nutzen, an die Öffentlichkeit zu gehen und kein zurückgezogenes Binnendasein zu leben. Aber hier geht es um einen Menschen. Einen Mann, der nichts hört (nichts hören will) und der nichts spricht (nicht sprechen will). Durch sein „Nicht-hören“ und „Nicht-Sprechen“ hat er sich ein Stück weit aus den menschlichen Beziehungen herausgezogen und isoliert.

Und was tut Jesus? Er zieht ihn zuerst einmal von der Öffentlichkeit weg, um eine intensive Beziehung möglich zu machen. Da geht es ganz um den Menschen, seine Krankheit, seine Heilung und um nichts anderes. Was ihm die Sprache verschlagen hat und die Ohren zugemacht hat, darüber lässt sich nur spekulieren.

Interessant finde ich die Art und Weise, wie Jesus mit ihm umgegangen ist und ihm Heilung verschafft hat. Er war bereit, sich auf eine intensive Beziehung mit einem Mann einzulassen, in der Berührungen und Gesten heilend wirkten.

Und – in unserem heutigen Zusammenhang: Christus brachte „Heil für alle in die Welt“! D. h.: Weg mit den Ausgrenzungen! Dies zeige sich vor allem in seinen Worten und Taten. Jesus überschritt Grenzen und vermeintliche Vorschriften. Er pflegte Kontakt mit Zöllner, die als Sünder abgestempelt waren. Er berührte und heilte Aussätzige; er heilte Blinde und Taube und lehnte den kausalen Zusammenhang zwischen Krankheit und Sünde ab. Die Pharisäer sagten zu solchen Personen: „Du bist ganz und gar in Sünde geboren“.

Ich denke, dies sollten wir als Christen auch heute immer hervorheben: „Gott will das Heil aller; niemand ist davon ausgeschlossen, außer, er schließt sich selbst davon aus“.

Dass diese „Neue Lehre Jesu“ durch alle Generationen weitergereicht werden soll, gehört zu den wesentlichen Aufträgen an die Apostel, wie auch an die Kirche in unseren Tagen. Muss man nicht gerade „das“ spüren, hier wird anderes gearbeitet, bewertet, entschieden – neben all den menschlichen Grenzen, die es natürlich auch immer geben wird?

D.h., Christen handeln anders und umgehen anders damit um, wenn es um den Schutz des Lebens geht; wenn es um behinderte Menschen, Alte und Betagte, um Kranke, um Ausgestoßene, Einsame und Alleingelassene, um Asylanten, Verfolgte, oder auch Opfer und Täter von Verbrechen geht. „Heil für alle“ – so sagt uns Jesus!

Ich wünsche uns allen, dass wir die Botschaft Christi immer wieder neu entdecken und uns von ihr treffen lassen. Die Botschaft möchte uns auch trösten, gerade dann, wenn wir selbst davon betroffen sind.

Ich wünsche uns allen, dass der Glaube, das Wort Jesu, die Sakramente, aber auch die Gemeinschaft der Kirche, uns dabei stärken und stützen.

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