24. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

„Folge mir nach, reih‘ dich ein, wo dein Platz ist, und geh hinter mir her“. S. und B. heute versuchen wir diesen seltsamen Ruf zur Nachfolge näher zu verstehen.

Jesus offenbart sich den Jüngern als ein ganz anderer, als diese ihn haben möchten. Sie können ihn zunächst nicht verstehen. Jesus will sie einführen ins Geheimnis der Liebe, die Leid verwandelt.

„Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“

Für die Apostel gibt Petrus eine treffende Antwort: Du bist der Messias! Und wir, für wen halten wir Jesus? Was antworte ich?

Wir sagen: Du bist der Sohn Gottes. Der Erlöser, der Retter, der Freund der Glaubenden. Der Barmherzige. Der Gekreuzigte. Unsere Antwort bezieht sich dankbar darauf, dass wir all das geschenkt bekommen: liebende Freundschaft, Verzeihung, Hilfe in Not; Geborgenheit, Halt in der Enttäuschung.

Ich meine, das sind gute Antworten, die sich auf einen helfenden, starken Jesus beziehen. Nun aber dreht nach dieser ersten Anfrage Jesus die Aussage um: Der Menschensohn muss Vieles erleiden, wird verworfen und getötet. Da sagt Petrus, was alle denken: „Nein, diese Sache darf nicht passieren. Du bist doch groß und mächtig, wir haben es erfahren in deinen Zeichen und Wundern.“

Da wird Jesus hart und radikal: Er berichtigt: „Dieses Denken, Petrus, ist nicht mein und des himmlischen Vaters Denken. Du weißt nicht, dass der Verlierer, der sein Leben herschenkt, gewinnen kann.

Aber, von Natur aus will ich das Leid nicht, ich will keinen Schmerz, ich will kein Kreuz. Ich will Freude, Wohlergehen, Glück. Das will jeder. Selbst bei sich liebenden Menschen gibt es das nicht einfach so. Auch da geht es nicht problemlos, die Verschiedenheit der Partner lädt ihnen ein Kreuz auf. Es kommen Krankheit, Unsicherheit, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit, Dunkelheit. Fragen wir uns: warum gibt es das Leid? Den Schmerz? Wir wissen es nicht. Spontan können wir es nicht beantworteten. Jesus lehrt uns aber durch seinen Weg, dass auch Not und Schmerz zum Liebeswillen Gottes gehören für uns Menschen.

Wir können Jesu Worte so verstehen: Gott liebt uns immer mit unendlicher Liebe. Dass er dabei Schmerz und Leid zulässt, steht nicht gegen seine Liebe. Wir sind eingeladen, im Schmerz mit unserer Liebe zu antworten. Wir dürfen im Blick auf Jesu Kreuz, der alles Negative, was auf uns Menschen fällt, schon durchgetragen und erlöst hat, unser Leid bejahen und es dankbar in Liebe aushalten.

Jesus will heute dem Petrus, seinen Jüngern und uns es sagen in den Worten: „Wer sein Leben retten will, d.h. jeden Schmerz vermeiden will und nur um sich kreist für sein Glück, der verliert es, d.h. er geht am Wesentlichen vorbei, an der Tiefe der Liebe und des Menschseins, die durch den Schmerz im Menschen heranreift. Wer aber das Leid entdecken kann als Sprungbrett zu tieferer Liebesantwort, dem beginnt sich die Tiefe der göttlichen Liebe und der Sinn des Lebens von Gott her zu erschließen.

16.09.2018 – 24. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Klingt es nicht paradox, wenn Jesus seinen Jüngern und damit auch uns sagt: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums Willen verliert, wird es retten“?

Ist nicht unser allgemeiner Lebensstil gerade darauf ausgerichtet, etwas aus seinem eigenen Leben zu machen? Kennen wir nicht alle diese guten Ratschläge, die da lauten: „Denk wenigstens du selber an dich, denn die anderen denken auch nur an sich“, und so weiter?

Die Logik des Evangeliums widersetzt sich dieser Zielvorgabe. Mag alles noch so schön und rosig aussehen: es gibt doch keine Selbsterlösung! Wer meint, er kann sich selber retten, geht in die Irre. Gewiss: Eine Zeitlang mag es scheinen, als ob sich jemand sein Leben kaufen könne. Vielleicht ist sie oder er recht erfolgreich im Beruf, hat ein gutes Einkommen, und auch beziehungsmäßig klappt es. Und doch ist all dies, wenn wir nur auf uns selber vertrauen, auf Sand gebaut!

Jesus möchte genau dies mit seinen Worten aufzeigen: Wer das Glück seines Lebens nur mit seinen eigenen Kräften herbeiführen will, wird es letztlich nicht besitzen, sondern auch das noch verlieren, was er hat.

Jesus Christus, der Herr und Meister, zeigt seinen Jüngern diesen königlichen Weg der Selbstverleugnung. Das innerste Geheimnis dieses Weges ist Liebe. Denn nur die Liebe ist fähig, in voller Freiheit auf das eigene zu verzichten und sich an die geliebte Person hinzugeben. Wer wirklich ein Jünger Jesu sein will, der lässt sich ein auf die Kraft der göttlichen Liebe, welche uns fähig macht, über uns selbst hinauszugehen.

Genau diesen Weg der Liebe und der Selbstentäußerung ist Jesus selbst gegangen. Seine Jünger – einschließlich des Petrus – waren noch gefangen in ihrer eigenen Welt. Sie meinten, der Messias müsse im weltlichen Sinn Karriere machen und sich machtvoll zeigen wie ein großer König. Jesus belehrt sie darüber, dass ihm in Kürze das Leiden und Sterben am Kreuz erwartet. Er wird also menschlich gesprochen scheitern.

Für die Jünger war es ein längerer und bisweilen schmerzhafter Lernprozess, diese Wahrheiten in ihrem eigenen Leben zu verinnerlichen. Gott aber hat sie in der Pädagogik der Liebe stufenweise zu dem hohen Ideal hingeführt, welches Jesus verkündet hat. Sie haben das Kreuz zuerst gefürchtet und später liebgewonnen. Sie haben zuerst aufbegehrt und sind davongelaufen, als es ernst wurde. Der auferstandene Christus aber hat sie dann wieder um sich gesammelt und sie zu lebendigen Bausteinen seiner Kirche gemacht.

Erschrecken wir nicht vor den Worten des Herrn! Gewiss, wir sind schwach und sündhaft. Doch die Gnade Gottes genügt uns, und seine Verheißung tröstet uns. Für einen jeden von uns gibt es den guten Weg, auf dem wir Jesus Christus nachfolgen können in der Hingabe unserer Liebe. Wir dürfen ihn gehen in Verbundenheit mit unserer himmlischen Mutter Maria, die uns von Jesus Christus am Kreuz als Mutter geschenkt wurde. Genauso werden wir durch die Gnade Christi an der Erlösung Anteil erhalten und gemeinsam mit allen Heiligen die ewige Freude bei Gott finden! Amen.

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