Christkönig-Sonntag 2018 B

Es ist schon seltsam: Auch im 21. Jahrhundert üben die gekrönten Häupter eine eigenartige Faszination auf sehr viele Zeitgenossen aus.

Die Regenbogenpresse lebt fast ausschließlich von ihnen ‑ den Prinzen und Fürstenfamilien und den letzten Monarchen dieser Welt. Was macht ihre Faszination aus? Die Macht kann es ja nicht sein, denn über reale Macht verfügen sie alle nicht mehr.

Nein, es muss etwas anderes sein: die Sehnsucht der Menschen, sich aus der Masse zu erheben und im Rampenlicht zu stehen. Die gekrönten Häupter bieten ihnen eine Möglichkeit zur Identifikation. Ein Mensch kann sich hineinträumen in eine bessere Welt, in der er nicht mehr Otto Normalverbraucher und sie nicht mehr Lieschen Müller ist.

Der König Jesus ist da wenig geeignet als Identifikations-figur. Geschunden, mit zerschlagenem Körper, die Dornenkrone auf dem Kopf, einen Spottmantel umgehängt, so steht er vor Pilatus und bekennt sich als König. Wer will sich mit diesem König schon identifizieren? Für den wäre in der Regenbogenpresse kein Platz.

Und die Geschundenen unserer Tage? Die in den Gefängnissen und Todeszellen inhaftierten? Die Gefolterten, ihrer Würde beraubten?

Die zur Prostitution gezwungenen Kinder und Frauen? Die Hungernden und Verhungerten, die Verzweifelten, ohne Perspektive dahinsiechenden?

Es stimmt schon, wenn Jesus sagt: »Mein Königtum ist nicht von dieser Welt«. Ja, Gott sei Dank, möchte ich hinzufügen. Nur deswegen ist ja der Titel »König« für ihn überhaupt zu ertragen, weil er eben ein ganz anderer König ist, einer, der auf Seiten der Opfer steht.

Dieses Königtum durchzieht wie ein roter Faden sein ganzes Leben. In Armut und Elend geboren, von den verachteten Hirten als König entdeckt, später von einer Schar einfacher und ungebildeter Menschen umgeben, die ihn ihren Rabbi nennen, geht er konsequent seinen Weg.

Er macht die Erfahrung, dass die »Kleinen« sich seiner Botschaft am ehesten öffnen. Der Zöllner öffnet ihm sein Herz und seinen Geldbeutel, die Schuld der Prostituierten löst sich in Tränen, die seine Füße benetzen. Die Sünder erfahren seine Tischgemeinschaft. Die Ausgesetzten stellt er wieder hinein in die menschliche Gemeinschaft und die Hartherzigen versucht er mit seiner Botschaft zu gewinnen.

Er buckelt vor niemandem. Allerdings stirbt er auch nicht wie ein König, sondern wie der letzte Verbrecher.

Das ist seine Wahrheit, die Pilatus nicht versteht, die alle Machtbesessenen nicht verstehen können, dass er ein König der Ohnmacht und für die Ohnmächtigen ist. Aber: das ist auch unsere Chance, weil wir mit unserer Ohnmacht von ihm verstanden werden, gehalten werden, bei ihm Heimat finden.

Bei ihm brauche ich nicht im Nerzmantel daherzukommen, um anerkannt zu werden. Er schenkt mir Würde und Anerkennung ‑ so wie ich bin. Amen.

Schreiben Sie einen Kommentar