30. Sonntag im Jahreskreis 2018 B

Wie wäre das, wenn nun eine schöne Fee zu uns kommt und sagt:

Du hast einen Wunsch frei? Wahrscheinlich würde uns ganz viel einfallen, viel Geld, ein schönes Auto, ein tolles Haus, immer nur schönes Wetter, Frieden für alle Menschen, tausend und abertausend Wünsche. Nur: Welchen soll man auswählen?

Für Bartimäus, den blinden Bettler, konnte das eigentlich keine Frage sein, was er wollte: denn er wollte endlich wieder sehen. Das wäre was: vorbei das Leben, wo man auf die Hilfe anderer angewiesen ist, wo man betteln muss, um wenigstens ein Stückchen Brot zu bekommen. Vorbei das Dunkel vor seinen Augen, vorbei die Angst, was die Leute alles mit einem anstellen können.

Bartimäus will nur eines: wieder sehen können. Für jeden war das sonnenklar.

Für fast jeden. Denn Jesus fragt ihn ausdrücklich: Bartimäus, was willst du, das ich für dich tun soll?

Immer, wenn ich das lese und höre, stolpere ich darüber. Warum fragt er ihn, wo es doch klar ist, dass das Sehen sein größter Wunsch ist?

Manchmal kommt es vor, dass Leute sich etwas wünschen, aber anscheinend nicht so richtig dahinterstehen: Da wünscht sich jemand Gesundheit, doch er raucht am Tag zwei oder drei Schachteln Zigaretten und weiß genau, dass ihm das schadet.

Ein anderer wünscht sich Frieden für alle Menschen, doch er selbst kann nur sehr schlecht verzeihen und fängt oft wegen Kleinigkeiten Streit an. Da wünscht sich jemand, dass alle Menschen satt werden, doch wenn für Hungernde gesammelt wird, dann denkt er nur an sich selbst.

Da wünscht sich ein Schüler bessere Noten in der Schule, aber eine halbe Stunde lernen ist schon zu viel. Da sind das Spielen und Fernsehen viel wichtiger.

Jesus ist kein Zauberer, der alles ganz schnell so macht, wie man sich das selber vorstellt. Seine Hilfe, seine Unterstützung schenkt er nur denen, die selbst ihren Teil dazu beitragen, die ehrlich und von ganzem Herzen das wollen, um was sie bitten.

Vielleicht wäre vieles in unserer Welt besser, wenn wir uns nicht immer damit herausreden, dass unser Beitrag oft nicht mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Bartimäus, willst du wirklich wieder sehen können? Franz, willst du wirklich, dass Frieden herrscht? Elisabeth, willst du wirklich, dass kein Mensch Hunger leiden muss? Zeigen wir doch, dass unser Wunsch wirklich ehrlich gemeint ist. Dann kann das Wunder beginnen. Amen.

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