7. Sonntag im Jahreskreis 2019 – C

Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns so verhielten, wie Jesus es in seiner Rede fordert! Dann wären wir ja immer die Dummen.

Denn niemand von uns möchte eine Ohrfeige bekommen und dann noch freiwillig eine weitere einstecken müssen. Niemand möchte sich die Jacke wegnehmen lassen.

Die Menschen, die uns so behandeln, können nicht unsere Freunde sein. Wir nennen sie eher Feinde. Und Feinde lieben, ihnen Gutes tun, das erscheint uns unsinnig – eine verkehrte Welt.

Unseren Freunden, die wir gut kennen und gernhaben, denen können wir verzeihen, wenn sie einmal schlechte Laune haben und unfreundlich zu uns sind. Ihnen leihen wir auch ein Sweatshirt; wenn es regnet auch mal eine Jacke. „Eine Hand wäscht die andere“, lautet ein Sprichwort.

Und da kommt Jesus und sagt das Gegenteil: Gib jedem, der dich bittet! Nicht nur deinen Freunden. Jesus möchte, dass wir für jeden anderen da sind, der unsere Aufmerksamkeit oder unsere Hilfe braucht. Und das kann auch jemand sein, den wir nicht mögen. Jesus sagt, dass man Gutes tun soll, auch wenn man dafür nicht belohnt wird.

Wer aber versucht, zu anderen Menschen nett zu sein und Rücksicht auf sie zu nehmen, wird erfahren, dass es mehr nette Menschen gibt, als man geglaubt hat. Oft hindern uns Vorurteile daran, jemanden anzusprechen und kennenzulernen. Und so passiert es, dass man andere ganz falsch einschätzt, dass sie Feinde seien. Es lohnt sich, anders denken zu lernen.

„Verzeih ihnen Herr, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ So betet Jesus am Kreuz und lebt seine Forderung nach der Feindesliebe. Er bittet für die, die ihn zum Tod verurteilt haben. Seine Lehre ist bei Jesus nicht reine Theorie geblieben, sondern er hat es uns selbst vorgelebt.

Wenn es auch schwer ist, wenn es auch in unseren Ohren so klingt, als könnte es nicht verwirklicht werden, immer wieder haben es uns auch die Heiligen gezeigt, dass es nicht unmöglich ist, Jesu Willen in die Tat umzusetzen.

Ein heiliger Stephanus, der erste Märtyrer, stirbt mit den gleichen Worten. „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ Auch er verzeiht seinen Mördern, seinen Feinden.

Und doch, liebe Brüder und Schwestern, scheint mir, es ist dies das Schwierigste, was Jesus von uns verlangt. Es klingt so ganz gegen unseren Gerechtigkeitssinn, der doch lautet: Wie du mir, so ich dir. Wenn der eine mich nicht grüßt, warum soll ich ihn grüßen? Wenn der eine mich nicht mag, warum soll ich ihn mögen? Warum soll ich mich anstrengen und Gutes tun, wenn es nicht erwidert wird?

Auch wenn wir immer wieder hinter diesen Forderungen Jesu Christi zurückbleiben, müssten sie doch als Zielforderungen in ihrer ganzen Radikalität bleiben. Streben wir danach, auch wenn wir immer wieder bekennen müssen, es ist uns nicht ganz gelungen. Aber wir sind nun einmal noch nicht heilig, doch wenn man bei einem merkt, dass er sich bemüht, dann ist er auf dem richtigen Weg. Dieses Bemühen soll bei einem Christen immer wieder spürbar werden. Amen.

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