2. Fastensonntag 2019 – C

Gewaltig muss der Eindruck gewesen sein, den die plötzliche Verwandlung Jesu bei den Jüngern – Petrus, Jakobus und Johannes ausgelöst hatte. Denn diese drei hatte Jesus mit sich auf den Berg genommen, wo er dann vor ihren Augen verklärt wurde: Ganz hell strahlte Jesus da auf.

Was geschieht auf dem Tabor? Auf dem Berg der Verklärung lässt Christus den Göttlichen Glanz aus seiner Menschennatur aufleuchten. Die Evangelien bezeugen, was die drei Apostel erleben. Sie erleben die Verklärung als Spannung zwischen Furcht und Freude. Einerseits erschrecken sie. Matthäus erwähnt, dass sie sich aus Angst mit dem Gesicht zu Boden werfen. Hier spüren wir, dass ein Mensch auf Erden den Glanz Gottes wirklich kaum ertragen kann. Auch bei anderen Menschen bewirkt das Licht Gottes ein Erschrecken: Der Prophet Jesaja bei seiner Berufung, der Apostel Petrus beim wunderbaren Fischfang, der Apostel Paulus bei seiner Bekehrung vor Damaskus.

Die Verklärung Christi auf dem Tabor zeigt uns zwei Dinge: Sie ist Offenbarung der Gottheit Christi. Und sie zeigt uns auch das Ziel, das Gott der Menschennatur bereitet hat: Die Menschennatur ist von Gott dazu berufen, vergöttlicht zu werden. In der zweiten Lesung spricht Paulus diese Vergöttlichung an: Wir erwarten den wiederkommenden Christus als Retter, der „unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (Phil 3, 20-21).

Das christliche Leben können wir auch ganz von der Verklärung Christi her sehen. Christliches Leben ist ein verklärtes Sein. Mit anderen Worten: Christliches Leben ist ein Leben, in das Gott verwandelnd und verklärend eingreift. Das geschieht durch die Gnade der heiligen Sakramente.

Durch die Erbsünde ist die menschliche Seele auf Erden heimatlos und orientierungslos. Die Menschennatur wird durch die hl. Taufe vergöttlicht, der göttlichen Natur teilhaftig. Die hl. Taufe stellt eine Beziehung zu den drei Göttlichen Personen her. Durch die hl. Taufe kann der Mensch von Innen heraus beten: „Vater unser im Himmel“. Die hl. Firmung ist die Vollendung der Taufgnade. Durch die hl. Firmung werden wir gestärkt, um aus dem Glauben heraus übernatürlich denken und handeln zu können.

Im Allerheiligsten Altarssakrament verwandelt Christus durch den Priester Brot und Wein, um unsere Seele übernatürlich zu ernähren. Der Sonntag ist ein Eucharistischer Tag. Ein Katholik, der den Sonntag heiligt, empfängt am Sonntag einen göttlichen Glanz, der die ganze Arbeitswoche überstrahlt.

Wenn wir das so betrachten, können wir ohne Übertreibung sagen: Christliches Leben ist ein verklärtes Sein. Christlich leben bedeutet, wie die drei Apostel immer wieder aufsteigen zum Berg der Verklärung, von Christus göttliches Leben empfangen, und so verwandelt und erneuert zu werden. Zum Berg der Verklärung aufsteigen bedeutet, zum gläubigen, würdigen und fruchtbaren Empfang der Sakramente aufsteigen. Ich denke wir begreifen, wie sehr im Zentrum des christlich-katholischen Lebens die Sakramente stehen.

Sehen wir die Fastenzeit als eine Einladung des Herrn, zum Berg der Verklärung aufzusteigen, um unser Sein von Christus verklären und vergöttlichen zu lassen. Wie schön ein solches verklärtes Sein ist, erfährt jeder, der sich auf den Weg zum Tabor aufmacht. Amen.

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