3. Fastensonntag 2019 – C

Hart erscheinen die Worte und fast unerträglich die Botschaft des heutigen Evangeliums: Wenn du dich nicht bekehrst, wirst du umkommen, wie ein fruchtloser Feigenbaum umgehauen wird. Zweimal, eindringlich warnend, heißt es: Ihr werdet alle umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Ist das noch die frohe Botschaft, das Wort des lebendigen Gottes?

Das Evangelium ist keine „Schönwetter-Botschaft“, kein liebliches Gesäusel.

Mit den zwei Beispielen – Ermordung von Galiläern durch Soldaten des Pilatus und Todesopfer beim Einsturz des Schiloach-Turmes – greift Jesus Ereignisse auf, die in den Augen vieler seiner Zeitgenossen als Strafe für die Sünden der Getöteten angesehen wurden.

„Selbst schuld!“ – so eine verbreitete Meinung, für ihre eigenen Sünden seien sie bestraft worden. „Nicht so!“ lautet die Antwort Jesu. Ihr seid nicht besser als die Erschlagenen, wiegt euch nicht in falscher Sicherheit.

Das Wort Jesu ist ein eindringlicher Ruf umzukehren, das eigene Denken und Handeln zu überprüfen. Mit seiner Rede stellt sich Jesus in die Tradition der großen Propheten. Auch da hören wir ähnlich drastische Aufrufe zur Umkehr.

Fasten heißt, so der Prophet Jesaja, die Fesseln des Unrechts lösen, sein Brot an die Hungrigen verteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufnehmen (Jes 58) – nicht ein paar Kilo abnehmen und sich wohlfühlen.

Metanoia, das von Lukas benutzte griechische Wort, heißt wörtlich übersetzt: “Umdenken” und meint einen inneren Prozess der Hinwendung zum Gott des Lebens, der sich in Taten zeigt.

An den Früchten, also am solidarischen Handeln, nicht an noch so frommen und gelehrten Worten werden wir gemessen.

Die Worte Jesu wollen uns aufrütteln. Sie werden aktuell zu Gehör gebracht, nicht um zu verurteilen, sondern um die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit zu wecken. Wählt das Leben!

Dem Feigenbaum wird ein Jahr Zeit gegeben. Die Zeit zur Umkehr ist begrenzt. Die Fruchtlosigkeit ist ein Bild für das Versagen des Menschen gegenüber Gottes Anspruch. Generationen vor uns lebten in Angst und Furcht vor Hölle und Fegefeuer. Diese Angst ist heute eher einer Gleichgültigkeit gewichen:

“Der liebe Gott wird es schon gut mit mir meinen …”

Ja, Gott meint es gut mit mir, aber er nimmt mich auch in die Verantwortung für mein Leben, und dazu kann gehören, auch mit den Bruchstücken meines Lebens zu ihm zu kommen.

Der Feigenbaum bekommt noch eine Chance. Der Weingärtner will sich sogar besonders intensiv um ihn kümmern, indem er den Boden aufgräbt und düngt, damit er Früchte trägt. Wie weit muss das Herz und wie groß die Liebe Gottes sein, wenn er sich so um uns bemüht?

Amen

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