Pfingsten 2019 – C

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Mit der Sendung des Heiligen Geistes geschieht die Umwandlung der Jünger. Aus furchtsamen Menschen werden mutige Apostel, die in die Welt hinausgehen und die Botschaft Jesu Christi verkünden.

„Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.“ Wie schön wäre das, wenn mit einem Schlag alles neu wäre, mit einem Schlag ein Ende all der Flüchtlingskrise, der Ausbeutung und Unterdrückung, ein Ende von Unglück, Krankheit, Tod. Wie schön wäre das, wenn mit einem machtvollen Brausen vom Himmel her die ganze Welt verwandelt würde in eine – im wahrsten Sinne des Wortes – „heile Welt“. So betrachtet, ist das Pfingstfest ein Ausdruck unserer tiefen menschlichen Sehnsucht nach einer heilen Welt. Verglichen mit anderen kirchlichen Festen, gibt es nur wenig typisch pfingstliches Brauchtum. Vielleicht glauben wir ja doch nicht daran, dass mit einem machtvollen Brausen alles neu wird, wie damals in Jerusalem.

Wir haben uns ja ganz gut eingerichtet in dieser „unheilen Welt“, haben uns arrangiert mit der Welt, wie sie nun einmal ist. Und es ist unbequem, sich wachmachen zu lassen – Langschläfer wissen das. Und genau das will ja der Geist: uns wachrütteln, uns aufwecken aus dem Schlaf der Bequemlichkeit und Sicherheit, aus dieser lähmenden Stimmung nach dem Motto: „Es hat ja doch keinen Sinn. Es ändert sich ja doch nichts. Was kann ich da schon tun?“ Im Grunde wissen wir ganz genau: Die Welt ändert sich nicht, wenn wir uns nicht ändern. Die Welt wird nicht heiler, wenn wir nicht „neue Menschen“ werden. Und genau das macht es so schwer und so unbequem.

Die Schwierigkeit ist eben: Pfingsten fällt nicht so einfach vom Himmel Die Schilderung des Evangelisten Lukas in der Apostelgeschichte wird manchmal so verstanden, als käme eines Tages der Heilige Geist und würde endlich aufräumen in dieser Welt und Ordnung schaffen. Aber das ist ein schlimmes Missverständnis. Der Heilige Geist bleibt machtlos, solange wir nicht wollen, solange wir uns ihm verschließen. Es ist einfach grundfalsch, wenn man das Pfingstfest in Jerusalem so verstehen würde, als kämen da vom Himmel die Feuerzungen. Nein, der Heilige Geist benutzt uns nicht einfach wie willenlose Werkzeuge. Er will uns als Mitarbeiter. Und das macht es so schwer und so unbequem.

Gott nimmt uns in die Verantwortung. Wir würden staunen, was Gott mit uns machen würde, wie sich die Welt verändern würde, wenn wir uns nur mit unseren Begabungen und Fähigkeiten Gottes Geist zur Verfügung stellen würden!

Pfingsten ist gefährlich. Das ist nicht leicht und bequem. Es ist gefährlich, sich so einzusetzen für eine andere, bessere Welt. Siehe Petrus und siehe die übrigen Apostel: Die Pfingstbegeisterung verfliegt sehr schnell. Und wer die Welt verändern will, der eckt an, der stößt auf Widerstand, der wird den Zorn derer zu spüren bekommen, die nicht wollen, dass sich etwas ändert.

Aber gerade hier wird das Geheimnis des Heiligen Geistes spürbar. Denn dieser Geist, das ist die Liebe Gottes, das ist Gehaltensein in seiner Liebe. Deshalb lässt uns der Geist unsere kleinliche Angst überwinden: „Was denken die anderen über mich? Kann ich das überhaupt?“ Pfingsten heißt: Wir sind gehalten in Gottes Liebe – und das gibt uns die Kraft und den Mut, aufzustehen für eine bessere Welt und uns einzusetzen, selbst dort, wo es aussichtslos scheint.

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