2. Sonntag i. Jk. 2020 – A

Liebe Schwestern und Brüder, wir stehen am Anfang eines neuen Jahres. Das was am Anfang steht, prägt oft das danach Kommende.

So haben wir heute auch den Anfang eines Evangeliums, nämlich den sogenannten Johannesprolog, als Evangeliumstext. Im Anfang war das Wort, fängt der Evangelist Johannes sein Evangelium an.

Ganz am Anfang also das Wort. Wieso steht das Wort am Anfang? Goethes Faust beschreibt die Bedeutung so: Worte sind Schall und Rauch, bloße Worte. Und doch: Worte haben Gewicht im Guten und im Bösen.

Wenn ein Mensch zum anderen sagt „Du bist nichts wert“, dann kann das alle Lebendigkeit und Fähigkeiten eines Menschen ersticken. Oder ein „Ich hasse Dich“, kann jemanden wirklich vernichten. Wenn dagegen die Mutter zum ängstlichen Kind sagt: „Alles ist gut“, dann ist für das Kind alles gut. Wenn zwei Menschen zueinander sagen: „Ich liebe Dich“, bauen sie darauf nicht selten ihr Leben auf. Wenn Bräutigam und Braut sich die Treue in guten und bösen Tagen versprechen, so verlassen sie sich gegenseitig darauf. „Er hat mir sein Wort gegeben“, sagen wir, wenn wir ein Versprechen meinen, an das wir glauben. Worte drücken Wirklichkeit aus und schaffen auch Wirklichkeiten.

Liebe Schwestern und Brüder,

aber damit Gott zu uns sprechen kann, muss er mit den Worten eines Menschen zu uns sprechen; sonst kann es passieren, dass wir ihn nicht verstehen. Denn wir sprechen nicht die Sprache, die man im Himmel spricht, sondern nur die Sprachen, die man hier auf der Erde spricht.

Damit Gott uns zeigen kann, was er meint, müssen wir ihn auch sehen können. Denn sonst kann es passieren, dass wir ihn missverstehen. Deshalb nimmt das Wort Fleisch an, eine Gestalt, damit wir Gott sehen und anfassen können.

Und die große Überraschung von Weihnachten ist, dass Gott wohl so ganz anders ist, als manche es sich gedacht haben: Da kommt nicht der starke Mann, der mal kräftig dreinschlägt, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen, sondern ein kleines schwaches Kind, das zuerst einmal selbst Hilfe braucht.
Nicht ein Richter, der alles in Gut und Böse einteilt und dann Strafe oder Lohn verteilt, sondern da kommt ein Anwalt, der sich auf die Seite der Schwachen und der Versager stellt und alles dafür tut, um das Beste noch für sie rauszuschlagen, das „Erbe der Heiligen“, wie es im Epheser-Brief eben hieß.

Da kommt ein Gott in Menschengestalt, der nicht groß und mächtig sein will, sondern klein und machtlos – damit er sich uns in die Arme legen kann, damit wir ihn an unser Herz drücken können; damit wir keine Angst vor ihm haben müssen, sondern voller Liebe zu ihm sein können.
Ein Gott, vor dem man niederknien muss, aber nicht weil er so mächtig und so groß ist, sondern weil er in einer Krippe liegt, weil er sich so klein und gering macht.
Ja, wir können gar nicht anders als von ihm niederzuknien – wie die Hirten und wie die Hl. Dreikönige – damit wir sehen, wie er uns anlacht – und hören, wenn er uns Worte der Liebe sagt.

So fing es an, als das Wort Fleisch angenommen hat. Und so ist es weitergegangen, so hat das fleischgewordene Wort auch gelebt: Mit einer besonderen Liebe zu den Schwachen und Kleinen, mit einem besonderen Blick für die, die an den Rand geraten sind. Einer, der sein Himmelreich den Armen und Kleinen verspricht, den Schwachen und den Hilflosen; den Friedfertigen und Barmherzigen.
Und man kann nur beten, dass wir auch die Kraft haben, damit wir weiterhin diesen Gott der Barmherzigkeit durch unser Leben sichtbar machen.

Ein Gott, der uns reich beschenkt: Mit seiner Liebe, die keine Grenzen kennt; Eine Liebe, die so stark ist, dass er außer sich gerät – und selbst ein Mensch wird. Amen

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