5. Fastensonntag 2020 – A

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn Sie einmal zu Hause ihre Bibel aufschlagen und das heutige Evangelium suchen, dann finden sie es unter der Überschrift: »Die Auferweckung des Lazarus«.

Richtig, Lazarus steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, Lazarus – und das Wunder seiner Auferweckung.

Aber es lohnt sich, in dieser Geschichte auch mal das „Drumherum“ in den Blick zu nehmen – und dann vielleicht noch etwas anderes, sehr Kostbares zu entdecken: nämlich die Rolle, die jene Marta in der Geschichte spielt.

Da ist ein Wort dieser Marta überliefert, das wir vor lauter Schauen auf das Wunder nicht überhören sollten.

Wenn Sie sich erinnern: Marta führt mit Jesus ein sehr intensives Gespräch, ein regelrechtes Glaubensgespräch. Und dieses Glaubensgespräch endet mit dem Wort: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

In der theologischen Fachsprache heißt ein solches Bekenntnis ein Messiasbekenntnis. Und es besagt, dass Jesus hier als der erkannt und bekannt wird, der er wirklich ist: Der Messias, der von Gott gesandte und gesalbte Heiland, der Retter und Erlöser. Es ist der, von dem die Welt das Heil erwarten kann.

Ein Messiasbekenntnis – mitten auf der Straße.

In der Tat: Eine Kostbarkeit. Denn solche Messiasbekenntnisse sind selten in den Evangelien.

Hinter diesem großartigen Glaubensbekenntnis stecken wohl die Erfahrungen, die Marta mit diesem Jesus gemacht hat: dass das Heil über dort ist, wo er ist.

Marta bezeugt damit einen Jesus, der Herr des Lebens ist, einer, der eintritt für das Leben, nicht erst für das ewige Leben im Himmel. Nein jetzt will er Leben.

Martha weiß: Er ist es, der die Kranken heilt; er ist es, der die Ausgestoßenen in die Gemeinschaft mit Gott zurückführt, weil er Leben in Fülle will. Er, der mit den Menschen Hochzeiten und Gastmähler feiert, um ihnen zu zeigen, wie lebenswert dieses Leben ist.

Und jetzt, am Grab des Lazarus, des Freundes, macht Jesus das noch einmal wahr. Löst ihm die Binden! Macht ihn frei, von dem, was ihm das Leben nimmt – und lasst ihn wieder ins Leben hineingehen.

Ein schönes Wort – aber ein Wort, das zeigt, dass Jesus Menschen mit ins Boot nimmt, wenn es um Wunder geht; dass sie mithelfen sollen, dass dieses Wunder auch wirklich geschehen kann.

Jesus macht das, was sein Part ist; das, was nur er kann: Einen Toten zum Leben erwecken.

Aber das, was die Menschen können, das sollen sie auch selber tun: Nämlich Binden lösen. Menschen befreien von dem, was am Leben hindert und gefangen hält. Menschen ins Leben hinein zu verhelfen, damit niemand auf der Strecke bleiben muss.

Löst ihm die Binden. Das ist der Auftrag Jesu an die „Umstehenden“, an die, die ihm zuhören. Auch wir können mithelfen, dass das Wunder einer Auferstehung sich auch heute noch ereignen kann: Nämlich dort, wo wir an Jesus, den Messias glauben – und uns von ihm in den Dienst rufen lassen, den Menschen die Fesseln zu lösen.

In unserer Krisensituation sind auch wir gefördert, ein regelrechtes Glaubensgespräch mit unserm Heiland zu machen, wie Marta, und dann lassen wir uns von seiner Heilmachenden Gegenwart beglückt werden.

Amen

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