1. Fastensonntag – A

Evangelium: Mt 4,1-11

Das Mittelalter kannte ein grausames Spiel: Ein hungriger Bär wurde zu einem Kessel mit Honig geführt, der über einem Feuer siedete. Wenn der Bär nun schlecken wollte, verbrannte er sich Pfoten und Schnauze, lief dann vor Schmerz heulend durch den Burghof, um dann doch wieder – wie ein Süchtiger – einen neuen Versuch zu starten. Die Damen und Herren auf den Zuschauerrängen ergötzten sich an diesem grausamen Spiel – bis der Bär halb tot vor Begierde und Schmerz zu Boden ging.

Es ist heute nicht viel anders wie damals. Der Bär sind wir! Der Kessel mit Honig ist heutzutage der Teufel in Gestalt der Werbeindustrie, die unsere Begierden und Wünsche anstachelt und dir einredet: Wenn du all diese tausend Dinge besitzt, dann bist du glücklich! Wenn du das Schlaraffenland erreicht hast („aus allen Steinen Brot wird“) oder wie ein erfolgreicher Showmaster angehimmelt wirst („Stürze dich herab!“) oder viel Macht ausüben kannst („alle Reiche dieser Welt werden dir gehören“), dann bist du glücklich!

Wenn du all diese tausend Dinge besitzt, dann bist du glücklich! Das ist der große Irrtum unserer Tage. Denn wer alles hat, bewegt sich auf zwei Wurzelsünden zu, die früher „Todsünden“ genannt wurden: Es sind die Unmäßigkeit, die rücksichtslos werden und die Augen zuwachsen lässt, und die Trägheit, die von Lust und Laune abhängig macht. Alles wird „langweilig“. Die Qualität des Lebens verdunstet.

Jesus sagt klar ein dreifaches „Nein!“, um seine innere Freiheit zu bewahren und um der Seele die Flügel zu belassen: So zeigt er uns den Weg aus diesem Dschungel.

Wer in die Fußstapfen Jesu treten will, kann damit beginnen, Minuten der Stille so in den Tag einzuplanen wie eine Mahlzeit, die ja auch einen festen Ort hat. Wie sagt man so schön und richtig?: Stille lässt uns die Wurzeln wieder finden. Stille ist die Arbeitszeit des Heiligen Geistes, um zu erkennen: Was brauche ich alles nicht!

Gehen wir einmal durch die Wohnung und fragen uns: Was haben wir in den letzten fünf Jahren nicht gebraucht oder angesehen? Alles überflüssig! Wie heißt es in einer Präfation der Fastenzeit: „Durch das Fasten des Leibes erhebst du den Geist!“? Darum kann der Vorsatz weiterhelfen: An einem Tag der Woche den Gürtel enger schnallen; bewusst einmal bei Wasser und Brot zu leben – auch aus Solidarität mit den Ärmsten – oder wenigstens spürbar den Konsum einschränken. Und wir werden erfahren: die Qualität des Lebens wächst. Die innere Freiheit entfaltet sich wieder.

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