3. Ostersonntag

In Gesprächen mit Kindern ist es immer wieder interessant, in bestimmten Zeitabständen zu fragen: Du, was willst du einmal werden? Meistens haben die Kinder eine ganz konkrete Vorstellung von dem, was sie in und mit ihrem Leben machen wollen. Nicht selten lassen sie sich dabei von ihren Vätern und Müttern leiten. Ebenso oft lassen sie sich dabei ihren Wünschen und Idealen freien Raum – und ebenso oft und einfach können sie sich ganz anderen Lebensplänen zuwenden. So kann derselbe innert einer Woche statt Priester Fußballer werden wollen. Es bleibt gespannt abzuwarten, wofür er sich wirklich in seinem Leben entscheiden wird.

Auch wir haben einmal eine Vision von unserem Leben entworfen. Mögen sie einem traditionellem Denken oder vielleicht sogar auch einer verrückten Idee entsprechen. Doch im Rückblick betrachtet trägt die spätere Realität des Lebens dieser Vision nicht immer Rechnung. Das Scheitern daran und an einem selbst ist nicht vorprogrammiert – und schon gar nicht von uns einkalkuliert: Wenn in der Partnerschaft die Liebe nicht mehr da ist oder zuwenig darauf Sorge gelegt worden ist. Wenn die Firma Konkurs gegangen ist. Wenn der Partner allzu früh verstorben ist … da ist es schwer, an der Vision des Lebens festzuhalten oder neue zu suchen.

Der Mensch gleicht darin einem Fischer, der jeden Morgen früh auf den See hinausfährt, um das Netz des Lebens auszuwerfen – um es dann gefüllt einholen zu können. Die Erfüllung des Lebens eines Fischers ist ein guter Fang. Im Evangelium haben wir von Fischern gehört, die ihr Netz des Lebens ausgeworfen haben – und dabei leer ausgegangen sind. In dieser Nacht fangen sie nichts. Das Zurückkommen mit leeren Booten gleicht dem Zugeständnis des Scheiterns.

In diese Situation tritt Jesus, der auferstandene Christus, in ihr Leben. Damit ist ihre Nacht vorbei. Er sagt ihnen nicht, dass sie ihr Unterfangen aufgeben sollen, dass sie ihr Leben ändern sollen. Er macht ihnen keine Vorschriften, wie ihre Vision des Lebens auszusehen hat. Im Gegenteil: er lässt sich auf ihr Leben, auf ihren Lebensinhalt ein, macht ihnen Mut, es noch einmal zu probieren – wider allem Sachverstand und aller Vernunft. Er gibt ihnen durch sein Wort Kraft, Altes und Losgefahrenes loszulassen. Nicht das volle Netz ist dabei das eigentliche Wunder, sondern das Vertrauen, dass sie in Jesus gesetzt haben. Ein Vertrauen, das nicht enttäuscht wurde, sondern sie reich beschenkt hat. Durch das Zutrauen in Jesus haben die Fischer wieder Mut bekommen, Mut, ihr eigenes Leben wieder in die Hand zu nehmen, es zur Entfaltung zu bringen. Durch das Vertrauen in Jesus wurde ihnen wieder eine Perspektive der Hoffnung und der Zuversicht geschenkt.

Wenn wir uns jedoch als Kirche Christi verstehen, dann ist nämlich unsere Aufgabe nicht, den Menschen Anweisungen zu geben, auf welcher Seite sie die Netze auszuwerfen haben, sondern vielmehr ihnen das Vertrauen in Christus zu lehren, das die Fischer hatten.

Jesus zeigt uns, wie er den Menschen Mut gemacht hat, aufzubrechen in ihrem Leben, ihrem Leben eine neue Perspektive zu geben. Das ist es auch, was es heute dringender denn je braucht: Menschen, die mir Mut machen. Menschen, die bereit sind, mich durch meine Grenzen und mein Scheitern zu begleiten. Menschen, in denen ich Christus begegnen kann. Dieses Vertrauen in Jesus und den Mut, immer wieder aufzubrechen im Leben wünschen wir uns gegenseitig – den Kindern, den Jugendlichen und auch uns „Grossen“.

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