Predigt zu Fronleichnam

Liebe Schwestern und Brüder, in einem kleinen Artikel fand ich ein paar bemerkenswerte Gedanken zum heutigen Fronleichnamsfest. Es ging um die Frage, was wir denn als Kirche heute von diesem Fest noch einmal neu lernen könnten. Ich möchte diese Gedanken gerne mit Ihnen teilen.

Da hieß es als erstes: An Fronleichnam gehen wir aus der Kirche hinaus. Wir verlassen einen ummauerten Raum und gehen auf die Straßen hinaus.
Das könnte uns lehren, dass wir als Kirche die Aufgabe haben, „das Weite zu suchen“. Denn Jesus hat uns doch zum Leben befreit, zu einem großen und weiten Leben, ohne Angst vor kleinlichem Denken.

Jesus traut uns zu, dass wir leben können, ohne dass man uns alles kleinlich vorschreiben und kleinkariert festlegen muss, sondern dass wir leben können aus dem Vertrauen heraus, dass ER mit uns unterwegs ist und dass er uns führt. Er ist doch unser Hirte. Und einer der meistgesungenen Psalmverse lautet nun einmal „Du führst uns hinaus ins Weite“.

Als zweites, was wir lernen können vom Fronleichnamsfest, wurde dort genannt: Fortschritte machen. Wir ziehen in einer Prozession durch die Straßen. Das lateinische Wort „Prozession“ kommt von „procedere“. Und das heißt: vorwärtsgehen, voranschreiten, fortschreiten.
Wer eine Prozession machen will, darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss fortschreiten. Und das gilt auch im übertragenen Sinne.

Kirche darf nicht auf der Stelle treten, sondern muss sich weiterentwickeln. Sie muss Schritt halten mit den Menschen; muss beweglich bleiben, um immer neue Wege zu finden, sich unserer Welt mitteilen zu können. Kirche soll lebendig und liebenswert sein – und immer neu Fortschritte machen.
Und unser Papst rät uns genau das: Nicht stehen zu bleiben bei dem was war – und nun nicht mehr zu funktioniert, sondern zu gehen – auf die Menschen zu und in die Zukunft hinein, damit Kirche eben nicht stehenbleibt, sondern immer noch Zukunft hat.

Und ein Drittes, so sagt es der Artikel, kann die Kirche von ihrem schönen Fest Fronleichnam lernen:

Nämlich „Christus hochhalten“. Wir machen das, wenn wir die Hostie in die Monstranz stellen und hochhalten. Damit bringen wir zum Ausdruck: Christus ist uns heilig. Mehr noch, er ist unser Allerheiligstes. Er ist uns so wichtig wie das Brot.

Oft habe ich gedacht: Wäre es nicht schön, wenn der Leib Christi so etwas wäre wie eine hochwirksame Tablette, wie eine energiespendende Spritze, und das Blut Christi wie ein Krafttrunk (ein „energy-drink“) für Leib und Seele? – So ein Aufputschmittel, so ein Zaubertrunk, der den Empfänger beflügelt, würde wohl viele Menschen anlocken und unsere Kirchen füllen…

Das hat aber Christus wohl nicht im Sinn gehabt, als er die Eucharistie einsetzte, nämlich ein billiges Medikament für eine Hochstimmung zu verteilen. Es muss also wohl etwas Besseres und Nützlicheres sein – der Leib und das Blut des Herrn.

Kommunion will – so denke ich – nicht bloß die Körperzellen auf Schwung bringen, sondern vielmehr dem ganzen Menschen bewusstmachen: DU BIST JETZT LEIB CHRISTI! Darum sagt der Pfarrer auch zu jedem: Der Leib Christi!

Das bedeutet: Wenn du willst, nimmt Gott jetzt deine Geschicke in die Hand! Kommunion ist nicht eine automatisch wirkende Spritze, sie ist mit einem Willensakt verbunden und möchte uns zu einem anderen Christus machen. Ein sprechendes, und auch sehr anspruchsvolles Programm.

Aber wir sollten dabei sein – und mitmachen. Amen

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