11. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,

PERSONALMANGEL, das ist wohl nicht erst ein Problem der Kirche unserer Tage; das hat es wohl auch schon zurzeit Jesu gegeben. Zumindest können wir das aus dem heutigen Evangelienabschnitt herauslesen:

Da sieht sich Jesus einer immer größer werdenden Menschenmenge gegenüber, die Hilfe braucht. Diese Menschen, die zu ihm kommen, sind wie Schafe sind, die keinen Hirten haben. Und Jesus hat Mitleid mit ihnen; Und so ruft er die Zwölf zu sich und überträgt ihnen Aufgaben; er macht sie zu seinen Mitarbeitern.

Und er gibt ihnen auch einen genauen Auftrag: Er sagt ihnen, was sie nicht tun sollen, damit sie nicht überall hinrennen.

Aber er sagt ihnen vor allem, was sie unbedingt tun sollen: Verkünden und heilen.
Sie sollen die Frohe Botschaft verkünden, dass das Himmelreich nahe ist, vor der Tür steht, dass es schon so nahe ist, dass man dran fühlen kann.

Da, wo das Himmelreich hinkommt, dort finden Menschen wieder zum Leben.

Wo das Himmelreich angebrochen ist, da wird keiner mehr rausgesetzt, keiner mehr isoliert – nur weil er vielleicht anders lebt als die anderen, anders denkt und anders ist. Dieses Himmelreich ist so angefüllt mit Heil, dass dort, wo es anbricht, auch kein Platz mehr für Dämonen ist, das heißt, da ist kein Platz mehr für das Böse.

Liebe Schwestern und Brüder, wo dieses Reich Gottes verkündet wird – da verändert sich etwas, da verändert sich die Welt. Und das ist das Ziel Jesu.

Wir können wohl sagen: In diesem kurzen Abschnitt beschreibt Jesus die Kernkompetenz der Kirche.
Das, was die Kirche tun und können muss, um wirklich seine Kirche zu sein:
Sie muss heil machen können. Sie muss Menschen so behandeln, dass sie gesundwerden und sich aufrichten können. Dass keiner ausgeschlossen wird – und niemand zum Teufel gehen muss.

Liebe Schwestern und Brüder,

Vielleicht stehen heute ja auch unsere Namen in dieser Liste. Und vielleicht wäre der Personalmangel in unserer Kirche heute ja gar nicht sooo groß, wenn wir nicht immer drauf warten würden, das „die anderen“ was machen – oder „die da oben“ -sondern wenn wir selbst mitmachen würden – im Reich Gottes. Wenn wir das tun würden, was uns möglich ist – mit Gottes Hilfe und Vollmacht.

Berufen dazu sind wir – seit unserer Geburt.
Mit Geist beschenkt auch – seit unserer Taufe und unserer Firmung.
Jetzt müssten wir nur mal versuchen, das Reich Gottes spürbar werden zu lassen, mit der Barmherzigkeit und der Liebe, mit der Zärtlichkeit und der Freude, die der Herr uns zutraut – weil er sie uns doch schon längst anvertraut und geschenkt hat.

Wir retten sicher nicht die große Welt damit.
Aber vielleicht verändern wir unsere kleine Welt ein Stück: unsere Familie, den Freundeskreis – oder ein kleines Stück in unserer Straße –
wenn dort, wo wir sind, ein Stück vom Himmelreich spürbar wird – durch unsere Geduld, unsere Freundlichkeit, unsere Vergebungsbereitschaft und unsere Liebe. Amen.

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