3. Ostersonntag – Vorabendmesse mit den Firmlingen

Vor zwei Wochen haben wir Ostern gefeiert,
das zentrale Fest unseres christlichen Glaubens.
Damals an Ostern in Jerusalem mussten sich Jesu
Jüngerinnen und Jünger auch zuerst durchringen,
bevor sie an seine Auferstehung glauben konnten.
Aber immer wieder ist er ihnen begegnet,
konnten sie ihn erfahren.
Uns heute geht es gar nicht anders.
Auch wir müssen uns immer wieder durchringen
zum Glauben an Gott, zum Glauben an die Auferstehung.
Aber seit damals – die ganze Geschichte herauf –
bis heute spürten und spüren Menschen,
dass Gott in der Welt und in ihrem Leben gegenwärtig ist.
Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass der Auferstandene,
dass Jesus jetzt mitten unter uns ist,
jetzt, wenn wir uns versammelt haben,
wenn wir sein Wort hören und wenn wir das Brot brechen.
Zur Einstimmung auf diesen Gottesdienst wollen uns
zwei junge Menschen erzählen,
warum sie an Gott glauben,
warum ihnen der Glaube an Gott wichtig ist.
€ Fabienne und Raphael
Glaubenszeugnis von Fabienne (23 Jahre)
Ich stehe heute vor euch und möchte euch meinen Glauben
bezeugen bzw. euch erzählen, wie ich meinen Glauben gefunden
habe:
In meiner Jugendzeit war ich auf Identitätssuche – ich wusste
nicht, was ich wollte, welchen Weg ich einschlagen soll, und in
dieser Phase meines Lebens habe ich erfolgreich ausgeblendet,
dass es in meinem Leben Gott geben könnte. Auch der Besuch
einer katholischen Schule (BAKIP) konnte an dieser
glaubensfremden Einstellung nichts ändern – ganz im Gegenteil
– ich fand es sogar lächerlich in die Kirche zu gehen. Diese
Einstellung führte schlussendlich dazu, dass ich mich mehr und
mehr für das Dunkle und die negativen Seiten des Lebens
interessierte.
Als ich 16 war kam dann der Brief für die Firmung nach Hause,
aber ich entschied mich bewusst gegen die Firmung mit der
Überzeugung es nicht zu brauchen. Während andere in meinem
Jahrgang sich für die Firmung vorbereiteten, ließ ich mehr und
mehr das Dunkle in mein Leben.
Doch nach einiger Zeit musste ich mir eingestehen, dass man so
nicht weiterleben kann. Diese melancholische von negativen
Gedanken geprägte Einstellung macht auf Dauer krank. Doch
ohne die Überzeugung, dass es eine höhere Macht gibt, wollte
ich nicht leben – so viel war mir klar. Aber irgendwie gab es
nichts für mich. Ich erkundigte mich über X Glaubensrichtungen,
aber es war nichts Passendes für mich dabei.
So beschloss ich bis auf weiteres ohne Glauben zu leben. Doch
es fühlte sich irgendwie falsch an. Wenn man sich eingesteht,
dass es eine höhere Macht gibt, will man das eines Tages auch
leben oder am eigenen Leben Teil haben lassen.

Und spätestens als ich im Kindergarten begonnen hatte zu
arbeiten wurde ich auf doppelte Art und Weise mit dem
Christentum in Kontakt gebracht: zum einen durch die
Jahresplanung im Kindergarten die sich komplett um katholische
Feste dreht. Nach kurzer Zeit wurde mir bewusst, wenn ich mich
nicht mit diesem Glauben befasse und auseinandersetze, kann ich
den Kindern die Inhalte und die Botschaften der Feste nicht
vermitteln.
Zum anderen wurde mir durch meine Arbeitskollegin und ihrer
Familie klar, wie schön ein Leben mit Gott sein kann, vor allem
wenn man an ihn glaubt. Durch Erzählungen ging hervor, dass
jede noch so dunkle Stunde ein Fünkchen Hoffnung mitbrachte
wenn man nur an Gott glaubte. Das brachte mich ernsthaft zum
Nachdenken, vor allem weil ich in meinem Leben seit längerem
dringend einen Halt brauchte. Mir wurde klar: Eigentlich hatten
mir meine Eltern eine Richtung des Glaubens gezeigt – den
Glauben an Gott. Ich war so vertieft in die Suche nach
irgendeinem Glauben, dass ich vergessen hatte, dass ich
eigentlich schon Wurzeln für den christlichen Glauben hatte.
Nach weiteren Überlegungen kam ich zu dem Schluss: JA – ich
will glauben; JA – ich wurde auf Jesus Christus getauft; JA –ich
will Gott in meinem Leben haben. Nach meiner persönlichen
Firmvorbereitung ließ ich mich vergangenen Mai mit 22 Jahren
firmen.
Und so begann mein Weg als bewusste Christin und ich bin stolz
darauf. Gottesdienste haben für mich an Bedeutung gewonnen.
Ich bin davon überzeugt, wenn viele Menschen sich aus
demselben Grund versammeln und dieselben Gedanken haben,
kann der Glaube im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen
man muss es nur wagen!
Glaubenszeugnis von Raphael (20 Jahre)
In einer Zeit, in der eine negative Schlagzeile die andere jagt und
man immer wieder hört: „Jetzt reicht’s, ich trete aus!“, habe ich
mich gefragt, wieso ich eigentlich glaube. Was hat mich dazu
veranlasst, mir den Schriftzug Lukas 1,38 auf den Rücken
tätowieren zu lassen und wieso gehe ich jeden Samstagabend in
die Kirche?
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke fällt mir auf, dass ich
sehr oft dem lieben Gott die Schuld an schlechten Noten gegeben
habe. Wenn es mir mal nicht gut ging, wenn ich krank war, war
immer gleich Gott schuld. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass
ich mit diesem Verhalten nicht der einzige bin. Wie oft hört man
denn Leute klagen, wie schlecht es ihnen geht und wieso Gott
gerade ihnen das antut.
Ist ja auch einfach, Jesus kann man sooft beleidigen wie man
will, er wehrt sich ja nicht. Irgendwie ist es komisch, ich könnte
doch genauso gut einem Feuerlöscher die Schuld an schlechten
Noten, Krankheiten und anderen negativen Dingen geben.
Aus irgendeinem Grund ist es aber in vielen Menschen
gespeichert Gott als Sündenbock für alles Leid an den Pranger zu
stellen und wir haben doch gerade aus diesem Grund, vor zwei
Wochen Ostern gefeiert. Er ist für uns gestorben, aber obwohl er
tot ist, dürfen wir unsere schlechten Gefühle, unsere Trauer und
unser Leid auf ihn werfen. Egal mit welcher Wucht wir diese
Gefühle dem lieben Gott an den Kopf werfen, wissen wir doch,
dass er sie auffängt und uns in diesen schweren Zeiten hilft.
Aus diesem Grund alleine schon, lohnt es sich meiner Meinung
nach an Gott zu glauben.

Lukas 1,38 ist die Stelle in der Bibel, bei der ein Engel Maria
erscheint und sie ihm nach einem Gespräch antwortet: „Ich bin
die Magd des Herrn, mir geschehe wie du gesagt hast.“
Meiner Meinung nach einer der explosivsten Sätze aus der
ganzen heiligen Schrift. Nicht ein Priester oder Schriftgelehrter
hat ihn ausgesprochen, nein, Maria, ein einfaches Mädchen in
eurem Alter, liebe Firmlinge.
Ich glaube in unserer Zeit kann kaum einer behaupten, dass er
oder sie alles was Gott ihm oder ihr aufträgt blindlings befolgen
würde. Das ist auch gut so, denn zu oft schon wurde das Wort
Gottes als Rechtfertigung für Anschläge und Morde missbraucht.
Ich habe diese Bibelstelle aber aus einem anderen Grund auf
meinem Rücken stehen: Ich bin die Magd des Herrn, mir
geschehe wie du gesagt hast.
Was gibt es schöneres als zu wissen, da ist jemand und egal, was
passiert, egal was auf mich zukommt, dieser jemand, ist bei mir.
Er wird es schon richten. Gottvertrauen bedeutet für mich,
einerseits darauf zu vertrauen, dass mich Jesus auffängt, egal wie
tief ich falle, aber auch mich auf Gott einzulassen.
Ja, es ist nicht immer einfach Zeit zum Beten zu finden und nein,
es ist nicht immer möglich zu allen anderen lieb und nett zu sein,
aber eine Chance hat jeder verdient, auch Gott oder nicht?
Mein Tattoo soll mich immer daran erinnern, dass ich froh sein
soll, eine Chance auf dieser Erde bekommen zu haben, dass ich
stolz sein darf auf die Freunde, die ich habe, dass ich die Sonne
auf meiner Haut spüren darf, dass ich jeden Morgen aufs neue
aufstehen kann und das Lachen der Kinder bewundern darf und
das ich dem danken darf, der mir dies alles ermöglicht hat, dem
lieben Gott.
Dem lieben Gott danke zu sagen funktioniert bei mir am besten
mit Beten. Natürlich kann ich zuhause beten, in der Natur und in
so ziemlich jeder anderen Situation auch, aber hier in der Kirche
ist es doch etwas ganz besonderes. Da oben, über unseren
Köpfen hängt er, der dem wir alles anvertrauen dürfen, der dem
wir alles an den Kopf werfen können, aber auch der, dem wir
danke sagen sollten für das Leben das er uns geschenkt hat. Wo,
wenn nicht hier geht das wohl am besten?
Tagesgebet
Gott,
Jesus ist für uns am Kreuz für uns gestorben,
du aber hast ihn am dritten Tage auferweckt.
Nach seiner Auferstehung ist er seinen Jüngern
leibhaftig erschienen
und hat sie zu Zeugen seiner Auferstehung berufen.
Wir bitten dich:
Mach auch uns offen und bereit
für die Begegnung mit ihm.
Lass uns Jesus in unserem Leben erfahren
und gib uns allen den Mut,
seine Auferstehung vor den Mitmenschen
zu bekennen.
Darum bitten wir dich
durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.

Predigt bei der Messe mit Firmlingen am Vorabend
des 3. Ostersonntags am 17.4.2010
Joh 20,19-31 KF; Lk 24,13-35;
Meine lieben jungen Freunde! Liebe Mitchristen!

  1. Ihr kennt sicher Richard Dawkins, den überzeugten und
    kämpferischen Atheisten.
    Dieser Richard Dawkins hält Religion für ein überflüssiges
    Nebenprodukt der menschlichen Evolution.
    Er sagt: Ähnlich wie der Blinddarm ist der Wurmfortsatz
    der Religion ein potentieller Entzündungsherd
    und daher gefährlich.
    Gemäß seiner Deutung haben religiöse Menschen also
    „etwas zu viel“.
    Ich möchte dem widersprechen und sagen:
    Menschen ohne Religion, Menschen ohne Glauben
    haben „etwas zu wenig“, denen fehlt etwas, denen
    fehlt Wesentliches.
    Glaubenslosigkeit ist Mangelerscheinung.
    Seit alters her ist die religiöse Frage verwoben mit der
    Frage des Menschen nach sich selbst.
    Im Unterschied zum Tier kann der Mensch Fragen
    stellen und nach Grund und Sinn seines Lebens suchen.
  2. Es gibt auch keine angeborene Gottlosigkeit.
    Jeder Mensch hat einen Sensus für Gott.
    Ob und wie der Mensch an Gott glaubt und eine Beziehung
    aufbaut, ist Sache der Erziehung, des Umfeldes, in der
    er/sie lebt und auch Sache der eigenen Freiheit.
    Ich kann mich natürlich nur für Gott entscheiden,
    wenn ich ihn in meinem Leben spüre,
    wenn ich ihn erfahre.
    Das wird heute immer schwieriger, denn wir leben in einer
    Welt, in der Gott im Alltag nicht oft vorkommt.
    Das heißt, wir müssen unsere inneren Antennen
    ausfahren, um Gott zu empfangen.
    Wir müssen etwas dafür tun, es braucht Sensibilität,
    es braucht die Sehnsucht nach Gott.
  3. Einige von euch kennen folgende Geschichte:
    Ein junger Mann kommt zu einem Gelehrten, der an Gott
    glaubt.
    Er möchte bei ihm in die Schule gehen und glauben lernen.
    Der Gelehrte fragt ihn: Liebst du Gott?
    Der junge Mann antwortet: Nein.
    Darauf der Gelehrte: Sehnst du dich danach, Gott zu
    lieben?
    Der junge Mann erwidert traurig: Wenn ich ehrlich bin –
    nein.
    Der Gelehrte schweigt nachdenklich und fragt schließlich:
    Hast du Sehnsucht nach der Sehnsucht, Gott zu lieben?
    Jetzt kann der junge Mann freudig sagen: Ja!
    Und der Gelehrte: Gut. Du bist auf dem Weg.
    Die Sehnsucht zu haben, Sehnsucht zu haben Gott zu
    lieben. Das hat vermutlich jeder Mensch im innersten
    seines Herzens.

Von ihm hat man immer gesagt es sei der „ungläubige“
Thomas. Aber so ungläubig war der gar nicht.
Thomas ist nicht leichtgläubig, er ist kritisch gläubig.
Er stellt Fragen, er stellt vieles in Frage.
Ich möchte ihn weniger als Zweifelnden bezeichnen
sondern vielmehr als Gott Suchenden, Ringenden.

  1. Thomas sucht, er hat Sehnsucht nach Gott.
    Vermutlich erkennen sich viele von uns in ihm wieder.
    Es ist gar nicht immer so einfach mit dem Glauben an Gott,
    mit dem Glauben an Jesu Tod und Auferstehung.
    Auch wir haben Fragen, auch wir sind oft Suchende,
    Nichtverstehende, auch Zweifelnde.
    Vielleicht aber stellen wir uns Gotteserfahrung viel zu
    kompliziert vor. Wir können Gott in den einfachsten
    Situationen des Lebens erfahren.
    Wer die Sehnsucht nach Gott hat,
    wer seine Antenne nach Gott ausrichtet,
    der kann Gott in alltäglichen Situationen wahrnehmen.
  2. Zum Beispiel in der Natur: Für mich ist die wunderbare
    Natur ein Hinweis auf Gott, auf den Schöpfer; vor allem
    jetzt, wo alles wieder zu blühen beginnt – einfach herrlich!
    Ich bin überzeugt, dass Gott auch in der Liebe erfahrbar
    ist, die sich Menschen gegenseitig schenken:
    Gott lässt sich erfahren in der Freundin / im Freund; in der
    Ehefrau/im Ehemann; aber auch durch Papa oder Mama.
    Gott ist auch erfahrbar im Menschen, der mir hilft, der
    mich tröstet, der mich ermutigt.
    Wenn jemand ein bisschen ein Gespür hat, dann spürt er,
    dass Gott ist in vielen Situationen des Lebens erfahrbar ist.
    Die Geschichte von den Emmausjüngern zeigt uns, dass
    Gott vor allem auch in guten Gesprächen erfahrbar ist;
    wenn Menschen miteinander übers Leben reden, über das,
    was sie bewegt, was ihn weh tut, aber auch was sie freut;
    in Gesprächen, wo einem warm wird ums Herz.
  3. Die zwei Bibeltexte, die wir vorher gehört haben,
    sind beides Osterevangelien, die von Begegnungen von
    Menschen mit dem Auferstandenen erzählen;
    Menschen, die in verschiedenen Lebenssituationen Jesus
    den Auferstandenen erfahren konnten.
    Die Emmausjünger – wie gesagt – zuerst einmal im Reden
    über ihr Leben, über das was sie bewegt.
    Interessant ist und das wollen uns diese Erzählungen
    sagen, dass sie Jesus vor allem in der Sonntagsmesse
    erfahren haben.
    Die Emmausjünger erkannten ihn, als er ihnen das Brot
    brach – also als sie miteinander Messe feierten.
    Auch Thomas konnte ihm begegnen, als er am 8. Tag – am
    Sonntag bei der Versammlung dabei.
    Die Berührung der Wunden Jesu war für Thomas heilsam.
  4. Liebe Firmlinge!
    Ich wünsche euch, dass ihr wie Thomas in eurem Leben
    auch erfahren dürft, dass diese Begegnung mit dem
    Auferstandenen gut tut und heilsam ist.
    Wenn wir Sonntagsgottesdienst feiern,
    dürfen wir mit allem in die Kirche kommen, was uns bewegt: mit allen unseren Sorgen, Problemen und Leiden, mit allen unseren leiblichen und seelischen Wunden, auch mit Schuld.
    Gott will auch uns heilen und jeder und jedem von uns sagen: ich mag dich, ich begleite dich, ich bin bei dir, auch dann, wenn du es vielleicht gar nicht spürst.
    Ich muss euch schon sagen, ich bin sehr froh und dankbar, dass ich an einen solchen Gott glauben kann.

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