2. Sonntag im Jahreskreis

Berufen zur Nachfolge

Heute haben wir in den Lesungen gehört, wie Menschen entscheidende Begegnungen hatten. Man kann auch von Berufungen sprechen. Einmal war die Rede von dem jungen Samuel, dann aber auch von Jüngern des Johannes. Wir merken, dass die Ereignisse für die Beteiligten sehr wichtig waren. Manchmal können sie sich später noch genau an die Stunde erinnern.

Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, fallen uns vielleicht auch Ereignisse ein, die für uns nachhaltige Folgen hatten. Manchmal können wir erst später sagen, ob die Begegnungen für uns gut waren oder schädlich. Es ist auch möglich, dass wir gute Begegnungen verpassen.

Bei Samuel war schon einiges vorgeprägt. Seine Mutter hatte inständig für seine Geburt gebetet und der Herr hatte ihr Gebet erhört. Samuel wurde dann dem Herrn geweiht. Später wurde er dem Priester Eli anvertraut, der im Heiligen Zelt Dienst tat. Damals waren die Zeiten nicht gut, eher dunkel. Im Buch Samuel heißt es: „In jenen Tagen waren die Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig.“ So war das Volk ohne Orientierung. Da hört Samuel nachts den Ruf seines Namens.

Hier fällt auch auf, wie vorsichtig Gott ruft. Er möchte nicht überrumpeln. Er wartet auf die freie Zustimmung des Menschen. Samuel muss sich in die geschenkte Begegnung hineinwagen, damit es eine wirkliche Begegnung werden kann. Bei Maria war es ähnlich. Gott wartet auf ihr Ja. Auch Maria weiß noch nicht, was dieses Ja für Konsequenzen hat.

Wie gesagt, die Rolle des Eli sollten wir nicht übersehen. Er hilft dem jungen Samuel den Ruf zu verstehen und anzunehmen. Samuel wird zum anerkannten Gottesmann und salbt später Saul zum König in Israel. Samuel begleitet eine entscheidende Wende einen Neuanfang in Israel.

Auch die Begegnung mit Jesus beginnt für die Jünger sehr vorsichtig und zurückhaltend, fast zärtlich. Weder die Jünger noch Jesus fallen mit der Tür ins Haus der anderen. In den ersten Fragen spüren wir eine große Achtung vor den Menschen. Gott vergewaltigt nicht. Begegnungen sind nur in Freiheit möglich.

Andere Menschen können helfen, gute Begegnungen zu ermöglichen. Samuel wäre ohne Eli nie offen geworden für den Ruf Gottes. Andreas nicht ohne den Täufer Johannes, Petrus nicht ohne seinen Bruder Andreas.

Heute geschieht das alles sicher anders als bei Eli und Samuel und anders als bei Johannes, Andreas und Jesus. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass der Ruf Gottes bei den Armen leichter verstanden werden kann als bei religiösen Experten. Es gibt Bischöfe, die gesagt haben, sie seien erst durch die Armen zu Jesus bekehrt worden.

Wer bekehrt uns? Wer macht uns hellhörig für den Ruf, der uns, der mich meint? Wie können wir einander helfen, Gottes Ruf zu entdecken? Wir brauchen Menschen, die uns für Gott öffnen.

Gerade heute wäre das wichtig, wo mal wieder die Worte des Herrn selten sind und die Visionen nicht häufig und der Glaube nicht mehr so selbstverständlich. So wollen wir jetzt bei dieser Feier Gott bitten, dass er uns seine Worte und Visionen gibt, weil wir sie dringend brauchen, um uns zurecht zu finden.

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