Die Beerdigung „aus der Kirche Ausgetretener“

Da dieses Thema sehr heikel ist, ist es gut, wenn es in einer Pfarre klare Regelungen gibt.
Ich möchte den Fall in unserer Nachbarschaft zum Anlass nehmen, wieder einmal daran zu erinnern, wie wir es in Nenzing handhaben: Wenn jemand aus der Kirche austritt, löst er sich total von der Kirche als Glaubengemeinschaft und zeigt dadurch, dass er mit ihr (und auch von ihren Sakramenten und Gottesdiensten) nichts mehr zu tun haben will.

In Sachen Beerdigung „aus der Kirche Ausgetretener“ haben wir in Nenzing folgende Regelung:

  1.  Wir müssen den freien Willen jeder/jedes Ausgetretenen respektieren. Deshalb kann es keine kirchliche Beerdigung geben (ebenso keine Totenglocke, kein Jahrtag, … all das sind ja kirchliche Angelegenheiten).
  2.  Als Pfarrgemeinde können wir aber für den Verstorbenen beten: die Erwähnung des Namens mit einem kurzen Lebenslauf und Würdigung seines Lebens in einem Gemeindegottesdienst (z.B. am Mittwoch Abend). Es wird aber im Gottesdienst dann ganz offen und ehrlich gesagt, warum kein kirchliches Begräbnis stattfinden kann.

Wenn es die Angehörigen wünschen, gehe ich als Pfarrer in zivil mit ans Grab und bete mit den Angehörigen zusammen für den Verstorbenen.

Ich glaube, dass dies ein ehrlicher Kompromiss ist. Wie ich oben schon geschrieben habe, ist es leider manchmal so, dass sogar die Angehörigen vom Austritt nichts wissen, und ich bitte daher wirklich alle Ausgetretenen, dass sie auch dazu stehen und es ihren Angehörigen sagen, damit diese bei einem Todesfall nicht vor den Kopf gestoßen sind.
Ich möchte alle Mitchristen unserer Pfarrgemeinde bitten, „Austrittswillige“ zu motivieren und zu überzeugen, dass es nicht gut ist, die Kirche zu verlassen. Es gibt aus der Sicht unseres christlichen Glaubens viele gute Gründe, warum wir die Kirche, ihre Gemeinschaft und ihre Sakramente und Gottesdienste brauchen.

Pfr. Hubert Lenz