Bibelweg – 4. Station „Vertrauen“


VERTRAUEN

Gott, auf dich vertraue ich,
in deine Hände lege ich mein Leben

Wer vor dem „tropfiga Schrofa“ steht, braucht wirklich Vertrauen. Er ist so gewaltig, so wuchtig, dass man wirklich nie weiß, wenn er „kommt“, obwohl schon viele tausende Menschen unter ihm vorbeigegangen oder vorbeigefahren sind. Er kann uns eine ganz wichtige Eigenschaft lehren, die unser Leben einfacher macht, nämlich das Gottvertrauen. Im Nachtgebet der Kirche beten wir: „Gott, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Dieses vertrauensvolle Gebet stammt aus den Psalmen (Ps 31,6 u. 91,2). Übrigens, die Psalmen sind ganz alte Gebete, etwa zweieinhalb bis dreitausend Jahre alt, und doch ganz zeitlos. Manchmal haben sie vielleicht Bilder, die uns ein wenig fremd sind, aber da muss man sich einfach „einlesen“ oder besser „einbeten“.

In den Psalmen bringen Menschen ihre seelische Verfassung vor Gott: ihr Leid, ihre Klagen, ihre Bitten, aber auch ihre Freude, ihren Dank, ihre Zuversicht, ihr Vertrauen. Und darum sind sie so zeitlos. So wie wir sind, können wir vor Gott hintreten und unser Leben vor ihn bringen. Die Psalmen sind Ausdruck dafür, dass Menschen in allen Lebenslagen und Situationen ihr Leben vor Gott bringen oder man könnte auch sagen: ihr Leben in der Gegenwart Gottes leben.

Gottvertrauen heißt nicht, dass man alles Gott überlässt; im Gegenteil:
ein weiser Meister hat einmal gesagt: Handle so, als ob alles von dir abhängt, aber glaube daran, dass alles von Gott abhängt. Gottes guter Geist handelt durch unsere Fähigkeit, andererseits ist er auch bei uns, wenn einmal etwas nicht so gelingt oder so geschieht, wie wir es gerne hätten. Gottvertrauen heißt deshalb, dass wir Selbstvertrauen haben dürfen. Wir dürfen unseren Fähigkeiten ruhig etwas zutrauen. Gott hat sie uns geschenkt, um mit ihnen etwas zu tun. Weil Gott uns liebt, dürfen wir Menschen mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sein. Wir sollen unseren Nächsten ja lieben wie uns selber: Auch Selbstliebe ist wichtig, immer im Wissen Gott ist bei uns, er geht mit uns, so dass wir mit dem Psalm 23 bete dürfen: „Ich fürchte kein Unheil.“

 

Zur Meditation:

Aus Psalm 91 – unter dem Schutz des Höchsten

Wer im Schutz des Höchsten wohnt
und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: „Du bist für mich Zuflucht und Burg,
mein Gott, dem ich vertraue“.

Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln,
unter seinen Schwingen findest du Zuflucht,
Schild und Schutz ist dir seine Treue.

Denn der Herr ist deine Zuflucht,
du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt.
Dir begegnet kein Unheil,
kein Unglück naht deinem Zelt.

Denn er befielt seinen Engeln,
dich zu behüten auf all deinen Wegen.
Sie tragen dich auf ihren Händen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

 

Fragen und Anregungen für den Weg:
Wie schaut es aus mit meinem Gottvertrauen?
Wie schaut es aus mit meinem Selbstvertrauen?

Vielleicht könnten sich auf dieser Wegstrecke bis zur nächsten Station immer zwei und zwei zusammentun und einander erzählen: Erzählen von ihrem Gottvertrauen und von ihrem Selbstvertrauen.
Erzählt einander von euren guten Eigenschaften!
Sagt dem anderen mindestens fünf von euren Fähigkeiten!
Das ist vielleicht gar nicht so leicht, aber ganz wichtig in Sachen Selbstvertrauen.
Freut euch und dankt Gott für die Fähigkeiten, die er euch gegeben hat!