Bibelweg – 5. Station „Enge“


ENGE

Befrei mein Herz von der Angst,
führe mich heraus aus der Bedrängnis

Diese Station steht von einem engen Tunnel und diejenigen, die den Weg kennen, wissen, dass der Weg nachher sehr steil wird. Bei der Wallfahrt Anfang und Ende Sommer trifft es beim Rosenkranzbeten für diese Wegstrecke zufällig immer das Gesätzchen „ Der für uns das schwere Kreuz getragen hat.“ Wir alle kennen die Enge auch in unserem Leben, wenn Leid, Probleme oder Konflikte unser Leben verändern, wenn es eng wird. Meist ist das auch verbunden mit Angst. Die Wörter „Enge“ und „Angst“ gehören zusammen. Solche Wegstrecken können schmal und beschwerlich sein, bedrückend und eben unsicher und Angst machend. Manchmal hängt diese Lebenssituation auch damit zusammen, dass unsere Sicht (der Dinge des Lebens) eng ist.

Wenn wir einen Blick in die Bibel werfen, vor allem in das Buch der Psalmen, so ist es sehr ermutigend, sehen zu können, dass Menschen viele, viele Jahre vor uns auch schon ähnliche Situationen erlebt haben. Viele Psalmen zeugen von leiblicher und seelischer Not des Menschen. Dies Menschen haben sich getraut, ihr Leid vor Gott zu bringen, vor ihm auszusprechen, es ihm zu sagen, so auch der Beter des Psalmes 25, wo es heißt: „Befrei mein Herz von der Angst, führe mich heraus aus der Bedrängnis“ (Ps 25,17).

Der Beter des Psalms 23 war voll Vertrauen, dass Gott gerade in dieser engen, dunklen Wegstrecke mit ihm geht: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn Du bist bei mir“ (Ps 23,4).

Und der Beter von Psalm 18 durfte erfahren, dass Gott ihm nach dieser bedrückenden und beschwerlichen Wegstrecke wieder in ein angenehmes Leben führte. Voll Freude betete er: „Du führst mich hinaus ins Weite, Du machst meine Finsternis hell“ (Ps 18,20.29).

Aus der Enge in die Weite, diesen Übergang durfte auch Christus an Ostern erleben. Nach dem Kreuztragen und nach dem Tod am Kreuz ist Christus am dritten Tage wieder auferstanden. Gerade auf engen und beschwerlichen Wegstrecken gibt uns die Bibel mit ihrer Osterbotschaft Kraft und Mut.

 

Zur Meditation:

        Aus Psalm 18 – Er führt mich hinaus ins Weite

        Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke,
        Herr, Du mein Fels, meine Burg, mein Retter,
        mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge,
        mein Schild und sicheres Heil,
        meine Zuflucht.
        Mich umfingen die Fesseln des Todes,
        mich erschreckten die Fluten des Verderbens.
        In meiner Not rief ich zum Herrn
        und schrie zu meinem Gott.
        Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen,
        mein Hilfeschrei dran an sein Ohr.
        Er griff aus der Höhe herab und fasste mich,
        Zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.
        Er führte mich hinaus ins Weite,
        er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.
        Du, Herr, lässt meine Leuchte erstrahlen,
        mein Gott macht meine Finsternis hell.
        Mit dir erstürme ich Wälle,
        mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

 

Fragen und Gedanken für den Weg:
Auf der kommenden Wegstrecke könnte ich mich mit den dunklen Seiten meines Lebens beschäftigen:

Was treibt mich in die Enge?
Was macht mir Angst?
Wo muss ich durch?
Vielleicht habe ich selber Schuld daran: Wo bin ich eng?

Spüre ich, dass Gott auch in solchen engen Situationen bei mir ist, mit mir geht?
Habe ich ihm schon mein Leid geklagt?
Habe ich ihm für erfahrene Hilfe gedankt?

Wer sich noch nicht diesen negativen Seiten des Lebens stellen möchte oder kann, könnte auch einfach die drei Gesätzchen des Rosenkranzes beten; der für uns das schwere Kreuz  getragen hat – der für uns gekreuzigt worden ist – der von den Toten auferstanden ist.